Biosprit: Jedes 10. Auto ist auf E10 allergisch

Mehr Zeit gefordert

© dapd

Biosprit: Jedes 10. Auto ist auf E10 allergisch

Der Biosprit E10, den Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (V) bereits diesen Herbst einführen will, ist in Deutschland am Beginn sensationell gefloppt. Aus Angst um ihre Motoren haben viele Autofahrer den Treibstoff mit 10 Prozent Ethanolanteil boykottiert, obwohl dieser billiger ist als herkömmliches Benzin. Als Ursache für das Debakel wurde u. a. die mangelnde Aufklärung ausgemacht. In Österreich will man es besser machen. Derzeit werde diskutiert, wie man eine Liste für Autos, die mit E10 betankt werden können, verbindlich machen kann, sagte ÖAMTC-Experte Bernhard Wiesinger. In Deutschland seien es ungefähr zehn Prozent der Fahrzeuge, die E10 nicht vertragen.

Bei älteren Autos kann es Probleme geben
"Wir denken, dass das in Österreich auch so ist", so Wiesinger am Freitag zur APA. Die neu zugelassenen Fahrzeuge seien ohnehin allesamt E10-tauglich, lediglich bei älteren Modellen könne es zu Problemen kommen. Wobei "der Motor selbst mit Kolben und Zylinder" nie einen Schaden nehme. Es könnte nur passieren, dass das alkoholhältige Ethanol beim Raustropfen Gummiteile beschädigt (Korrosion).

Für den ÖAMTC sind Herstellergarantien für die E10-Verträglichkeit ein Muss. "Eine Möglichkeit wäre, das im Rahmen der Pickerl-Überprüfung zu machen", schlägt Wiesinger vor.

ARBÖ ist strikt gegen E10
Generell hat der als ÖVP-nahe geltende Autofahrerclub ÖAMTC nichts gegen E10. Ganz im Gegensatz zum ARBÖ, der wiederum der SPÖ zugerechnet wird und wie etwa Arbeiterkammer (AK) seit Monaten gegen den Agrosprit auf die Barrikaden steigt. Wegen befürchteter Mehrkosten für Autofahrer und auch ethischer Bedenken ("Tank vs. Teller") hat der ARBÖ sogar eine Onlinepetition gegen E10 gestartet.

Der ÖAMTC hält es nur nicht für realistisch, dass der Zeitplan Berlakovichs hält. "Eine flächendeckende Einführung braucht sicherlich einen längeren Vorlauf", so Wiesinger auch unter Verweis auf "Aussagen der Mineralölwirtschaft". Eine "tröpfchenweise Einführung" hielte der Club für den falschen Weg. Es brauche einen "großen Wurf" inklusive breitangelegter Informationskampagne.

ÖAMTC fordert steuerliche Anreize
Unabdingbar sind für den ÖAMTC weiters steuerliche Anreize. "E10 muss günstiger sein als herkömmliches Benzin." In Deutschland sei E10 derzeit 4 Cent billiger als die anderen Benzinsorten, trotzdem betrage der Marktanteil des Biosprits an allen Benzintreibstoffen erst 15 bis 20 Prozent. "Wir glauben, dass die Bereitschaft in Österreich, E10 zu tanken, höher ist", so Wiesinger.

Zur "ethischen Diskussion" meint der ÖAMTC: "Es muss sichergestellt sei, dass mit dem Ethanolanteil, der beigemengt wird, weder Regenwald zerstört wird noch Nahrungsmittel getankt werden." Das heimische Umweltministerium habe dazu bereits ein Zertifizierungsverfahren in petto.

Lenker können auch weiterhin frei entscheiden
Autofahrern bleibt auch bei flächendeckender Einführung die Wahl, ob sie E10 oder ihr "altes" Benzin tanken. Benzin mit Oktanzahl 95 oder 98 "wird es ohnehin weiter geben", stellte Wiesinger klar. Es sei lediglich vorstellbar, dass einige Premiumsorten (Oktanzahl 98 bzw. 100) vom Markt genommen werden. Wieviel E10 an der Zapfsäule dann kosten wird, hänge auch von der Erntelage ab. Wenn die Rohstoffe knapp sind, "sind die Ethanolpreise logischerweise höher", so Wiesinger. Momentan könnte dies der Fall sein: Österreichs Bauern haben heuer die mieseste Getreideernte seit 40 Jahren eingefahren; auch weltweit - besonders im wichtigen Erzeugerland USA und im Schwarzmeerraum - kam es zu Missernten, was wiederum die Nahrungsmittelpreise massiv mit nach oben treibt.

Wer auf E10 setzt, muss übrigens auch mehr tanken. Laut Wiesinger steigt der Verbrauch wegen der Beimengungsquote um ein bis zwei Prozent.

Diashow Fotos von den meistverkauften Autos Österreichs
Platz 1

Platz 1

VW Golf: 9.592 Stück (Marktanteil: 5,1 Prozent)

Platz 2

Platz 2

VW Polo: 4.920 Stück (Marktanteil: 2,6 Prozent)

Platz 3

Platz 3

Renault Mégane: 4.904 Stück (Marktanteil: 2,6 Prozent)

Platz 4

Platz 4

VW Tiguan: 4.639 Stück (Marktanteil: 2,5 Prozent)

Platz 5

Platz 5

Ford Focus: 4.329 Stück (Marktanteil: 2,3 Prozent)

Platz 6

Platz 6

Skoda Fabia: 4.156 Stück (Marktanteil: 2,2 Prozent)

Platz 7

Platz 7

Skoda Octavia: 4.097 Stück (Marktanteil: 2,2 Prozent)

Platz 8

Platz 8

Hyundai i30: 3.569 Stück (Marktanteil: 1,9 Prozent)

Platz 9

Platz 9

Seat Ibiza: 3.566 Stück (Marktanteil: 1,9 Prozent)

Platz 10

Platz 10

Opel Astra: 3.085 Stück (Marktanteil: 1,7 Prozent)

1 / 10
  Diashow

Diesen Artikel teilen:

Postings (0)

Postings ausblenden

Posten Sie Ihre Meinung

Anzeigen

Werbung

Top Gelesen 1 / 5
Teuerstes Auto der Welt in Österreich
Ennstal-Classic 2016 Teuerstes Auto der Welt in Österreich
Weltberühmte Motor-Veranstaltung trumpft auch heuer mit vielen Highlights auf. 1
So hässlich wäre der perfekte Autofahrer
Überlebt jeden Unfall So hässlich wäre der perfekte Autofahrer
Monströse Figur soll Menschen zu mehr Wachsamkeit auf der Straße bringen. 2
Cooler Jeep zum 75-jährigen Jubiläum
“Wrangler 75th Salute” Cooler Jeep zum 75-jährigen Jubiläum
Sonderausgabe erinnert stark an das Original aus dem Jahr 1941. 3
Fiat greift mit dem 500 Riva an
Edler Cinquecento Fiat greift mit dem 500 Riva an
Sondermodell mit Elementen aus dem Yachtbau kommt als Coupé und Cabrio. 4
Der neue Kia Niro (Hybrid) im Test
Öko-Crossover Der neue Kia Niro (Hybrid) im Test
Teilelektrifizierter Newcomer gefällt durch seine Ausgewogenheit. 5
Die neuesten Videos 1 / 10
Weitere Entlassungen und Haftbefehle in der Türkei
Türkei Weitere Entlassungen und Haftbefehle in der Türkei
Nach dem gescheiterten Putsch halten die Entlassungen in den türkischen Behörden unvermindert an. Zudem ging die Regierung am Donnerstag erneut massiv gegen Medien vor.
Neuer Elefantenbulle in Schönbrunn
Tiergarten Neuer Elefantenbulle in Schönbrunn
25 Jahre alt, vier Tonnen schwer und fast drei Meter groß: Das sind die Eckdaten des neuesten Bewohners im Tiergarten Schönbrunn. Es handelt sich um den Elefantenbullen Shaka, der am Mittwoch aus dem Zoo Duisburg nach Wien übersiedelt ist.
Prozess gegen Ex-Landesrat Dobernig
Kärnten Prozess gegen Ex-Landesrat Dobernig
Der freiheitliche Kärntner Ex-Politiker und ehemalige Finanzlandesrat Harald Dobernig steht seit Donnerstag in Klagenfurt vor Gericht.
So sieht der Verkehr in Wien aus
Wien So sieht der Verkehr in Wien aus
Beeindruckendes Zeitraffervideo zeigt, wie heftig es in der Bundeshauptstadt staut.
Täter "verhöhnen" Land, Helfer und andere Flüchtlinge
Angela Merkel Täter "verhöhnen" Land, Helfer und andere Flüchtlinge
Sie sei nach wie vor davon überzeugt, dass Deutschland es schaffe, den Flüchtlingszustrom zu bewältigen, so Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Berlin.
Ansbach-Attentäter führte zuletzt Chat mit Person im Nahen Osten
Ansbach-Attentäter Ansbach-Attentäter führte zuletzt Chat mit Person im Nahen Osten
Angesichts der jüngsten Anschläge in Bayern und anderen Teilen Europas wolle der Freistaat seine Polizei und Justiz deutlich aufstocken, so Innenminister Joachim Herrmann.
News Flash: Berufsverbot für Wut-Arzt
News Flash News Flash: Berufsverbot für Wut-Arzt
Außerdem: Türkei - Verbot für Medien und Merkel trotz Terror.
Türkische Regierung schließt 45 Zeitungen
Türkei Türkische Regierung schließt 45 Zeitungen
Die türkische Regierung hat die Schließung von 45 Zeitungen und 16 Fernsehsendern angeordnet.
Obama über Clinton
US-Wahlkampf Obama über Clinton
Hillary Clinton ist die offizielle Präsidentschaftskandidatin der demokratischen Partei.
Gefeuerter Wut-Arzt schlägt zurück
Wut-Arzt Gefeuerter Wut-Arzt schlägt zurück
Gefeuerter Wut-Arzt schlägt zurück

  Diese Website verwendet Cookies. Durch die Verwendung dieser Website stimmen Sie dem damit verbundenen Einsatz von Cookies zu.