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Österreicher Diess soll VW-Chef werden

Großer Konzernumbau

Österreicher Diess soll VW-Chef werden

Der aktuelle VW-Markenchef Herbert Diess (Bild) wird aller Voraussicht nach neuer Vorstandschef der gesamten Volkswagen-Gruppe mit ihren 13 Marken. Der 59-jährige Österreicher soll bald Matthias Müller an der Spitze des weltgrößten Autokonzerns ablösen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Aufsichtsrats- und Unternehmenskreisen.
 
Insidern zufolge ist der Schritt im Rahmen eines größeren Konzernumbaus zu sehen, die insgesamt vorgesehenen Veränderungen in Wolfsburg seien umfassend. Auch andere deutsche Medien wie das "Handelsblatt", die "Bild"-Zeitung oder die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichteten darüber.
 

Umbau soll Aufbruch einläuten

Der geplante Umbau soll nach Darstellung aus Aufsichtsrats-Kreisen einen "Aufbruch" bei Europas größtem Autokonzern ermöglichen. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus Kreisen des Kontrollgremiums erfuhr, wird dem amtierenden Konzernchef Müller intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen. Der notwendige Umbau gehe nicht schnell genug, hieß es mit Blick auf den grundlegenden Wandel der Automobilindustrie. Die Zukunftsthemen sind alternative Antriebe und das autonome Fahren, dies bringt große Veränderungen mit sich.
 
Der neue starke Mann im Konzern als Nachfolger Müllers soll Diess werden, er gilt als entscheidungsstärker. Diess war früher BMW-Vorstandsmitglied und ist seit Sommer 2015 bei VW, kurz bevor der Diesel-Abgasskandal ins Rollen kam. Der 59-Jährige galt bereits länger als "Kronprinz" Müllers (64) und drückte zuletzt bei der neuen Elektroauto-Baureihe I.D. aufs Tempo.
 

Müller löste Winterkorn ab

Der frühere Porsche-Chef Müller war kurz nach Bekanntwerden des Abgasskandals im Herbst 2015 neuer VW-Konzernchef geworden. Er hatte damals den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn abgelöst, der zurückgetreten war.
 
Im Zuge des geplanten Umbaus soll außerdem ein enger Vertrauter von Betriebsratschef Bernd Osterloh neuer VW-Personalvorstand werden. Den Posten übernehmen soll Gunnar Kilian, aktuell Generalsekretär des VW-Konzernbetriebsrates, wie die Deutsche Presse-Agentur am Abend aus Kreisen des Aufsichtsrats erfuhr.
 
Kilian soll den bisherigen Personalvorstand Karlheinz Blessing ablösen. Das hatte zuvor der "Spiegel" berichtet, über die geplante Ablösung Blessings auch das "Handelsblatt". Der einflussreiche VW-Betriebsratschef Osterloh sitzt auch im Aufsichtsrat. Blessing ist erst seit Anfang 2016 im Amt.
 

Konzern trat Spekulationen selbst los

VW selbst hatte in einer Mitteilung an die Finanzwelt angekündigt, man prüfe "eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur". Dies schließe Änderungen bei den Verantwortlichkeiten ein, jedoch womöglich auch "eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden".
 
Welche Punkte im Einzelnen vorgesehen sind und was dies konkret für die Zukunft Müllers bedeuten würde, war vorher unklar geblieben - Volkswagen machte zunächst keine weiteren Angaben dazu. Der Vertrag von Müller (64) läuft eigentlich noch bis 2020. Diess kam 2015 von BMW und handelte unter anderem das Reform- und Sparprogramm "Zukunftspakt" bei der Stammsparte mit dem mächtigen Betriebsrat aus.
 
Müller habe seine "grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken", erklärte VW. An diesem Freitag soll nach dpa-Informationen der Aufsichtsrat zusammenkommen. Dabei dürfte es um eine mögliche Abspaltung des Lkw-Geschäfts und Top-Personalien gehen.
 
Bei Volkswagen sind die internen Strukturen seit Langem ein zentrales Thema, der riesige Konzern kämpft mit seinem komplexen Aufbau und will den einzelnen Marken und Regionen mehr Verantwortung geben. Außerdem erfordern die Elektromobilität und die Vernetzung viele Veränderungen. Volkswagen investiert hier bereits Milliarden.

 

Auch bei der Porsche SE stehen Änderungen an

Zeitgleich mit den Wolfsburgern ging die Muttergesellschaft Porsche SE an die Öffentlichkeit und teilte mit, dass Veränderungen im VW-Vorstand auch zu Änderungen im Vorstand bei der Porsche SE führen könnten. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Porsche SE hält gut 52 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Die VW-Vorzugsaktien im Dax legten deutlich zu, zum Handelsschluss an der Frankfurter Börse gewannen sie knapp fünf Prozent.
 
Müller hatte kürzlich dem "Spiegel" gesagt, aus seiner Sicht müsse das oberste Management von Volkswagen "weiblicher, jünger und internationaler" werden. "Das ist ein riesiges Problem des Konzerns. (...) Ich würde auf jeden Fall gern mit dem Aufsichtsrat diskutieren, wie der Konzern nach meiner Zeit geführt werden soll und von wem." Er selbst könne sich auch eine Aufgabe im Aufsichtsrat vorstellen.
 
Der frühere Porsche-Chef war im Herbst 2015 an die Spitze von Volkswagen gekommen, nachdem Vorgänger Martin Winterkorn im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals in den USA zurückgetreten war. Weil im Zuge der Affäre um manipulierte Abgastests auch viel grundsätzliche Kritik an den Abläufen bei VW laut wurde, stieß Müller Initiativen zu einem "Kulturwandel" an.

VW 2017 mit Milliardengewinn

Im vergangenen Jahr konnte Volkswagen erneut stark zulegen. Die Kernmarke warf einen Betriebsgewinn von rund 3,3 Milliarden Euro ab - bereinigt um Sonderkosten für die Diesel-Affäre. Unabhängig von den sehr guten Zahlen müsse der Kulturwandel jetzt jedoch mutig und offen angegangen werden, hieß es aus dem Aufsichtsrat.
 
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