Porsche-Übernahme durch VW vor Abschluss

Ende in Sicht

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Porsche-Übernahme durch VW vor Abschluss

Europas größter Autobauer VW ist der seit drei Jahren geplanten Einverleibung der Sportwagenschmiede Porsche ein entscheidendes Stück näher gerückt. Denn beide Unternehmen können voraussichtlich ein lange bekanntes Schlupfloch in der Besteuerung von Unternehmenszusammenschlüssen nutzen und bereits in den nächsten Monaten die Eingliederung der Porsche AG in das VW-Reich besiegeln. Die Übernahme von weiteren knapp 50 Prozent der Porsche AG wird die auf einem dicken Finanzpolster sitzenden Wolfsburger - wie 2009 vereinbart - knapp vier Mrd. Euro kosten. Zugleich soll der Schritt aber in den kommenden Jahren jeweils dreistellige Millionenbeträge sparen helfen.

Porsche Holding profitiert
Auch für den Verkäufer des Restanteils, die an der Börse notierte Porsche Holding, wird sich das Geschäft auszahlen: Die nach ihrem 2009 gescheiterten Versuch zur Übernahme des gesamten VW-Konzerns noch immer mit rund 1,5 Mrd. Euro verschuldete Dachgesellschaft könnte ihre Verbindlichkeiten damit auf einen Schlag tilgen und in neue Geschäfte investieren. Auch die buchhalterischen Verluste, die die Holding seit einigen Quartalen infolge komplexer Optionsgeschäfte mit VW einfährt,
könnten dann der Vergangenheit angehören.

Beide Aktien steigen
An der Börse gehörten die Aktien von VW und Porsche am Montag zu den Gewinnern. Denn das Finanzamt wird bei der vollständigen Übernahme der Porsche AG durch VW voraussichtlich leer ausgehen. Bisher hatten Steuerexperten mit einem Ertrag aus Körperschaft-, Gewerbe- und Grunderwerbsteuer in Höhe von bis zu 1,5 Mrd. Euro kalkuliert, wenn Porsche mit milliardenschweren stillen Reserven im Gepäck rechtlich betrachtet ganz bei VW unterschlüpft. Doch nach Abstimmung der Steuerbeamten in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Berlin ist mittlerweile weitgehend klar: Die stille Reserven müssen nicht zwingend aufgedeckt werden, steuerliche Belastungen "könnten vermieden werden", heißt es in einer Reuters vorliegenden Rechtsauskunft der Steuerbehörden in Stuttgart. Denn statt als Umwandlung könne die Übernahme auch als Restrukturierung eingestuft werden - ohne steuerliche Nachteile für die Unternehmen, die Porsche und VW bisher bei der Eingliederung einkalkuliert hatten. Steuerfrei hatten sich die beiden Unternehmen bisher erst ab August 2014 gewähnt.

Nachdem dieser finanzielle Brocken aus dem Weg geräumt sein dürfte, kommt das bereits 2009 von den Porsche- und VW-Eigentümern vereinbarte umfangreiche Vertragswerk zur künftigen Zusammenarbeit wieder ins Spiel. Denn für den Erwerb jener knapp 50 Prozent an der Porsche AG, die VW noch nicht hält, sind schon damals feste Zeiträume zwischen Ende 2012 und Anfang 2015 vereinbart worden. Die Uhr tickt: Erstmals kann die Porsche Holding als Verkäufer zwischen dem 15. November dieses Jahres und dem 14. Jänner kommenden Jahres die Wolfsburger zum Kauf der restlichen Anteile zwingen. 2013 und 2014 kann VW jeweils einmal die Übertragung der Anteile verlangen. Das letzte Wort hat wiederum Porsche mit einer vereinbarten Put-Option, die zwischen Dezember 2014 und Jänner 2015 gezogen werden kann. Aus VW-Kreisen verlautete indes: Es könne nun alles auch viel schneller gehen.

Komplexität schmälerte Gewinn
Das komplizierte Geflecht von Kauf- und Verkaufoptionen kam die lediglich 33 Mitarbeiter zählende Porsche Holding zuletzt teuer zu stehen: Von dem satten Milliarden-Gewinn ihrer lukrativen Beteiligungen an VW (gut 50 Prozent der Stimmrechte) und an der Porsche AG mit ihrem Autogeschäft (gut 50 Prozent) blieben im ersten Quartal nur 327 Mio. Euro nach Steuern hängen. VW frohlockt hingegen - im Gegenzug - seit Quartalen über entsprechend hohe Milliarden-Buchgewinne. Der Hintergrund: Die Fahrzeug-Geschäfte von Porsche entwickeln sich besser als in der Wirtschaftskrise 2009 angenommen: Das führt zu der paradoxen Situation, dass bei Porsche daher laufend buchhalterische Verluste anfallen, während VW davon profitiert.

Die vollständige Eingliederung der Porsche AG in VW ist alles andere als ein Selbstzweck. VW-Patriarch Ferdinand Piech - mit seiner Familie Großaktionär bei der Porsche Holding und damit auch bei der AG und dem VW-Konzern - und andere Spitzenmanager in den Unternehmen kalkulieren Kostenvorteile von rund 700 Mio. Euro ein. Diese jährlichen Einsparungen sollen sich aus gemeinsamen Einkäufen und Synergieeffekten durch gemeinsame Forschung errechnen, lautet das Kalkül. Bisher hindert das Wettbewerbsrecht die beiden seit Jahrzehnten partnerschaftlich verbundenen Unternehmen an der Hebung dieser Einsparpotenziale.

Rechtsstreitigkeiten gehen weiter
Der Porsche Holding und ihren Aktionären bliebe nach Abschluss der Transaktion die Verwaltung ihres Vermögens, das sich dann auf die derzeit lukrative Beteiligung an VW und entsprechenden Dividendenzahlungen reduzieren würde. Der ursprüngliche Plan eines Aktientauschs - und damit die Verschmelzung der gesamten Holding mit VW - war im vergangenen Jahr beerdigt worden, da mehrere Profi-Aktionäre ehemaligen Spitzenmanagern der Stuttgartern Verstöße gegen Kapitalmarktregeln vorwerfen und auch die Staatsanwaltschaft in dieser Richtung ermittelt. Ein Ende dieses hochriskanten juristischen Tauziehens, das mit milliardenschweren Schadenersatzklagen gegen die Holding auch vor Gerichten in den USA ausgetragen wird, ist nicht in Sicht.

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