Suzuki/VW-Streit wird zum Rosenkrieg

Verhärtete Fronten

© EPA/ARMIN WEIGEL

Suzuki/VW-Streit wird zum Rosenkrieg

Der Scheidungskrieg zwischen Suzuki und Volkswagen eskaliert: Der japanische Kleinwagen- und Motorradspezialist forderte den deutschen Konzern am Donnerstag ultimativ auf, seinen Vorwurf des Vertragsbruchs bis Ende September öffentlich zurückzunehmen. VW beharre auf seiner Position, schlug der Seniorpartner jedoch prompt zurück. Der kleinere japanische Konzern - Nummer vier in seiner Heimat - will den Druck auf Europas größten Autobauer erhöhen, die vor zwei Jahren eingegangene Überkreuzbeteiligung aufzulösen. Der 81-jährige Firmenpatriarch Osamu Suzuki warf Volkswagen Rufschädigung vor und bezeichnete die Verbindung mit den Deutschen in einem Brief als "Fußfessel" für sein Unternehmen.

Vorwurf der Vertragsverletzung
VW hielt jedoch an seiner Sichtweise fest, dass Suzuki den Partnerschaftsvertrag durch den Bezug von Dieselmotoren des italienischen Rivalen Fiat verletzt habe. Der Konzern verwies seinerseits auf eine Suzuki eingeräumte mehrwöchige Frist, um den Sachverhalt zu korrigieren. "Volkswagen kann nicht nachvollziehen, dass die Einforderung vertraglich geregelter Rechte rufschädigend sein soll", sagte ein Sprecher. An der von Suzuki losgetretenen öffentlichen Debatte wolle man sich nicht beteiligen.

Rechtfertigung
In dem Schreiben an VW-Martin Winterkorn rechtfertigte Suzuki den Bezug von Dieselmotoren von Fiat , durch den der Streit vor kurzem offen entflammt war. Suzuki habe mit Volkswagen im vergangenen Jahr mehrere Monate lang über die Bedingungen für den Einsatz von VW-Aggregaten verhandelt, die Anforderungen von Suzuki seien jedoch nicht erfüllt worden. "Geduldig haben wir versucht, die Zusammenarbeit mit Leben zu füllen und zu einer Win-Win-Situation für beide Unternehmen zu machen. Dennoch, diese Partnerschaft bringt uns nicht die Vorteile, die wir uns davon erhofft haben. Sie stellte sich vielmehr als Fußfessel für unsere Unabhängigkeit heraus." Er warf Volkswagen vor, Suzuki bei der Entwicklung neuer Produkte zu behindern und seinen Ruf zu schädigen.

Rückkauf angeboten
Suzuki hatte dem deutschen Konzern wegen des Streits vor eineinhalb Wochen bereits angeboten, die von VW gehaltenen Anteile zurückzukaufen. Dies lehnt Volkswagen ab. Suzuki sei trotz allem ein interessantes Investment. Damit entsteht eine Pattsituation: Suzuki kann zwar den Vertrag mit VW kündigen. Dann würde aber auch ein Passus ungültig, in dem festgelegt ist, dass VW seinen Anteil an Suzuki nur mit Zustimmung der Japaner erhöhen darf.

Weiteres Öl hatte VW-Chef Martin Winterkorn ins Feuer gegossen, als er zu Beginn der Automesse IAA in Frankfurt auf die Kräfteverhältnisse hinwies. Volkswagen ist größter Eigner des japanischen Unternehmens. Der Schwanz wackele nicht mit dem Hund, hatte VW klargestellt. Angesichts des Streits brachte sich Fiat als lachender Dritter prompt als Kooperationspartner für Suzuki ins Spiel.

Rund zwei Jahre
Die Partnerschaft mit dem japanischen Autobauer war VW vor zwei Jahren eingegangen, um seine Position im Zukunftsmarkt Indien auszubauen. Eine Trennung wäre für VW daher schmerzlich. Die Suzuki-Tochter Maruti ist führend auf dem Subkontinent. Auf seinem Weg an die Weltmarktspitze hatte sich VW auch in Südostasien Hilfe von Suzuki versprochen.

Teil der Partnerschaft war eine Überkreuzbeteiligung: VW hält knapp 20 Prozent an Suzuki, die Japaner halten 1,5 Prozent an Europas größtem Autokonzern. In der Allianz hing jedoch von Anfang der Haussegen schief. Suzuki fühlte sich von dem viel größeren deutschen Konzern dominiert und fürchtete um seine Selbstständigkeit, da VW die Japaner bereits als nächste Marke in seinem Riesenreich sah. Volkswagen klagte seinerseits darüber, dass die Erhofften Kleinwagenprojekte sich hinzogen.

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