VW-Chef kündigt 10 neue Elektroautos an

Für 2017 und 2018

VW-Chef kündigt 10 neue Elektroautos an

In Wolfsburg scheint anscheinend wieder die Sonne: Der Volkswagen-Konzern erklärte am Dienstag den Dieselskandal für beendet und will zu einem führenden Anbieter von Elektroautos werden. "Wir haben 2016 die Weichen gestellt für die größte Transformation in der Geschichte dieses Unternehmens - und dabei operativ besser abgeschnitten als viele uns das zugetraut hätten", sagte Vorstandschef Matthias Müller bei der Präsentation der Jahresbilanz am Hauptsitz. Der Konzern sei finanziell gerüstet, um die Folgen der Dieselkrise zu tragen.

Der inzwischen weltgrößte Autokonzern plant heuer und im nächsten Jahr zehn Modelle mit Elektroantrieb (inklusive dem überarbeiteten e-Golf) und will bis 2025 mehr als 30 neue, rein batteriegetriebene Fahrzeuge auf die Straße bringen. Ab 2020 startet die eigens entwickelte Elektro-Baureihe I.D. (siehe Buzz I.D. und I.D. in Golf-Größe). Porsche (Mission E) und Audi (Q6 e-tron) bringen ihre reinen Stromer schon früher in den Handel. Zudem wird massiv in die Forschung von Hightech-Batterien investiert. Gleichzeitig arbeiten die Niedersachsen mit Hochdruck an der Entwicklung von selbstfahrenden Autos. Dazu passend wird auf dem Genfer Autosalon 2017 (bis 19. März) gerade die autonome Studie "Sedric" vorgestellt. Der Umbau des Automobilgeschäfts laufe planmäßig, das neue Geschäftsfeld für Mobilitätsdienste nehme Gestalt an. "Finanziell haben wir den Prozess der Neuausrichtung im Griff", sagte Müller.

VW und Audi eher mau, Seat und Porsche dafür top

Im vergangenen Jahr hatte Volkswagen mit seinen zwölf Marken trotz weiterer Belastungen durch die Dieselaffäre einen Betriebsgewinn von 7,1 Mrd. Euro eingefahren. Vor Sonderlasten verbuchten die Wolfsburger ein operatives Ergebnis von 14,6 Mrd. Euro, eine neue Bestmarke. Während die renditeschwache Hauptmarke VW, die die größte Last des Umbaus tragen muss, einen Rückgang beim Betriebsergebnis verbuchte und auch Audi Federn ließ, glänzten Porsche und Seat mit einem deutlichen Gewinnplus. Die Geschäfte bei Skoda liefen ebenfalls gut. Für das laufende Jahr bekräftigte der Konzern das Ziel, den Umsatz um bis zu vier Prozent zu steigern und eine operative Rendite zwischen 6,0 und 7,0 Prozent einzufahren.

2016 stieg die bereinigte Rendite auf 6,7 (Vorjahr: 6,0) Prozent. Aus dem Gewinn von 5,1 Mrd. Euro fließt den Aktionären eine Dividende von 2,00 Euro je Stamm- und 2,06 Euro je Vorzugsaktie zu. 2015, dem Jahr, in dem die Abgasmanipulation in den USA aufflog, hatten hohe Rückstellungen für die Wiedergutmachung des Betrugs dem Konzern den höchsten Verlust in der fast 80-jährigen Unternehmensgeschichte eingebrockt.

Bei Umrüstung im Zeitplan

VW hat im vierten Quartal weitere 4,4 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten im Abgasskandal beiseitegelegt. Im letzten Jahresviertel 2016 standen daher bei den Wolfsburgern rote Zahlen unter dem Strich, auch wenn im Gesamtjahr 5,1 Mrd. Euro Gewinn geschrieben wurden.

In den USA hat das Unternehmen in Vergleichen unter anderem mit Behörden und Kunden die Zahlung von umgerechnet rund 22,7 Mrd. Euro zugesagt, 2016 kostete die Dieselaffäre rund 6,4 Mrd. Euro.

Der Rückruf der weltweit über 11 Millionen betroffenen Wagen quer durch die Marken habe zuletzt weiter Fahrt aufgenommen: Weltweit wurden laut Müller inzwischen mehr als 4 Millionen Konzernfahrzeuge umgerüstet. Der Vorstandschef bekräftigte das Ziel, bis Ende 2017 alle Autos "in Ordnung zu bringen".

"Zukunftspakt" läuft an

Mit dem im November 2016 beschlossenen Umbauprogramm "Zukunftspakt", das derzeit voll anläuft, will der Konzern seine Hauptmarke rentabler machen. Die jährlichen Kosten sollen so bis 2020 um rund 3,7 Mrd. Euro sinken. Vorgesehen sind in den nächsten Jahren auch bis zu 30.000 Stellenstreichungen - allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Müller sagte, der Pakt sei zusammen mit der neuen Strategie 2025 "das Fundament für eine kraftvolle Neuausrichtung unserer Kernmarke". Das vorige Jahr sei noch stark von der Bewältigung des Abgasskandals geprägt gewesen. Die im September 2015 eingeräumten Manipulationen bei Emissionstests hatten VW in eine tiefe Krise gestürzt. "Aber: Wir haben gegengehalten und trotz allem eine neue Bestleistung im operativen Geschäft abgeliefert", meinte Müller zu den Gesamtzahlen.

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