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Haben E-Autos wirklich eine bessere CO2-Bilanz?

Das sind die Fakten

Haben E-Autos wirklich eine bessere CO2-Bilanz?

Die Bundesregierung hat die Förderung für PKWs mit reinem Elektroantrieb seit 1. Juli auf 5.000 Euro erhöht. So soll die Autoindustrie belebt und umweltfreundlicher gestaltet werden. Aber können Elektroautos wirklich mit einer besseren CO2-Bilanz als Benziner oder Dieselautos punkten?

Covid-19-Krise, Abgasskandal: Die Fahrzeugindustrie ist nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa im Umbruch. Aufgrund der Pandemie sinkt die Nachfrage nach Neuwagen, auch die Zahl der Neuzulassungen in Österreich ist im ersten Quartal des Jahres um 32,4 Prozent eingebrochen (Quelle: Statistik Austria). Für das Autoland Österreich, in dem eine von neun Arbeitskräften in der Autoindustrie beschäftigt ist, bedeutet das Handlungsbedarf.

Der Staat setzt hierbei auf Förderung von alternativen Antrieben, insbesondere auf Zuschüsse beim Kauf von Hybrid- und Elektroautos. Und tatsächlich können die alternativen Motoren als einzige Sparte in der PKW-Industrie Wachstumsraten verzeichnen. E-Autos sind also auf dem Vormarsch. Besonders mit dem ökologischen Aspekt wird viel geworben: Elektromotoren seien viel umweltfreundlicher als klassische Verbrennungsmotoren. Aber stimmt das überhaupt? ALLES AUTO hat die Fakten gesammelt.

CO2-Ausstoß während der Fahrt

Während der Fahrt emittieren Fahrzeuge mit Elektroantrieb kein einziges Gramm Kohlendioxid. Das macht sie im Betrieb viel umweltfreundlicher als ein Auto mit Verbrennungsmotor, das während der Fahrt Abgase und Feinstaub produziert. Dass hier die CO2-Werte oftmals sogar noch höher sind, als vom Hersteller angegeben, hat der Abgasskandal der letzten Jahre gezeigt. Immer mehr Fahrer*innen sind misstrauisch und wollen auf eine umweltfreundlichere Alternative umsteigen. Und nichts ist umweltfreundlicher als ein Auto, das gar keine Abgase produziert – richtig?

Produktionsaufwand

Leider ist es nicht so einfach. Elektroautos sind zwar im Betrieb viel nachhaltiger, aber auch die Herstellung des E-Autos muss bedacht werden: Die Produktion der Batterie ist sehr energieintensiv. Laut einer Reportage von zeit.de werden bei der Herstellung einer durchschnittlichen Elektroauto-Batterie etwa 5 Tonnen Treibhausgase erzeugt. Weil Herstellerdaten schwer zugänglich sind, kann diese Zahl jedoch nur geschätzt werden.

Ein weiteres Problem ist, dass die Erzeugung einer solchen Batterie Rohstoffe benötigt, die unter suboptimalen Bedingungen abgebaut werden, und nicht in endlosen Mengen verfügbar sind. So benötigt die Herstellung einer Elektroauto-Batterie beispielsweise ca. 10 kg Lithium, ein Alkalimetall, das vorrangig in Australien, Argentinien, Bolivien und Chile unter oftmals fragwürdigen Bedingungen abgebaut wird. Die ausländischen Firmen, deren große Maschinen Lithium gewinnen, fördern zwar Rohstoffe für umweltfreundliche Elektroautos, zerstören aber auch die Lebensgrundlage und das Ökosystem der ortsansässigen indigenen Völker.

Stromerzeugung und logistische Probleme

Zu bedenken ist auch der „Treibstoff“ der Elektroautos, der Strom. Bestenfalls sollte dieser aus erneuerbaren Energieträgern stammen. Hätten alle Österreicherinnen und Österreicher ein Elektroauto, bestünde die Gefahr, dass das Land mehr „unreinen“ Strom aus dem Ausland beziehen müsste, um den Energiebedarf zu decken. Auch das Angebot an Ladestationen müsste weiter ausgebaut werden. Derzeit sind das nur Sorgen der Zukunft  – aber langfristig muss die Infrastruktur gewährleistet werden, wenn ein umweltfreundlicher Umstieg auf Elektroautos für einen größeren Bevölkerungsanteil gelingen soll.

„Rebound-Effekt“

Auch Fahrer*innen können Fehler machen und so der Umwelt mehr schaden als nützen: Das deutsche Umwelt- und Prognose- Institut (UPI) warnt vor dem sogenannten „Rebound-Effekt“. Der Begriff aus der Umweltforschung meint, dass eine scheinbar positive Maßnahme durch Rückkopplungseffekte letztendlich zum Gegenteil führt. E-Autos werden möglicherweise häufiger benützt als reguläre Fahrzeuge, was zu einer Reduktion der Umweltersparnis führen kann.

Fazit

Elektroautos haben also keine perfekte Umweltbilanz – aber laut Experten sind sie im Vergleich zu den klassischen Verbrennungsmotoren unterm Strich trotz allem die ökologisch bessere Wahl. Mehreren Studien zufolge sind E-Autos insgesamt klimafreundlicher als Diesel- und Benzinautos, wenn man den Vergleich über die gesamte Lebensdauer der Autos zieht. Je nach Quelle geht man davon aus, dass sich E-Autos umwelttechnisch nach 30.000-60.000 gefahrenen Kilometern rentieren. Erwartet werden weitere Fortschritte, sodass Elektromotoren in den nächsten Jahren noch leistungsstärker werden. Elektro-PKWs sind also tatsächlich eine umweltfreundlichere Alternative – aber noch bei weitem keine perfekte.