Mercedes S-Klasse ist erstes selbstfahrendes Serienauto

System für autonomes Fahren startet

Mercedes S-Klasse ist erstes selbstfahrendes Serienauto

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Die deutsche Luxuslimousine ermöglicht mit dem "Drive Pilot" hochautomatisiertes Fahren auf Level 3.

Mercedes  hat Wort gehalten. Bei der Präsentation der  neuen S-Klasse  hat der Hersteller versprochen, dass die Luxuslimousine - sobald die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür geschaffen sind - als erstes Serienmodell  hochautomatisiertes Fahren  auf "Level 3" ermöglichen wird. Am Donnerstag wurde nun der Start dieser Funktion, die auf den Namen Drive Pilot hört, für das kommende Jahr angekündigt. Los geht es in Deutschland; heimische S-Klasse Besitzer müssen noch etwas länger warten.

Bis 60 km/h

Ist der Drive Pilot aktiviert, könnte der Fahrer beispielsweise bei Staus auf bestimmten Autobahnabschnitten - laut Mercedes 13.191 Autobahnkilometern - die Verantwortung an das Fahrzeug übergeben, sagte Daimler-Vorstand und -CTO Markus Schäfer in Sindelfingen bei Stuttgart. Mercedes habe als Branchenvorreiter eine Genehmigung vom deutschen Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erhalten. Laut dem deutschen Autobauer handelt es sich dabei um die weltweit erste international gültige Systemgenehmigung für hochautomatisiertes Fahren. Bei freier Fahrt muss jedoch weiterhin selbst Hand angelegt werden. Denn das automatisierte Fahren ist nur bei Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h möglich. Bei zähfließendem Verkehr oder im Stau ist das jedoch eine große Erleichterung. Denn dann dürfen die Fahrer Zeitung lesen, Mails schreiben, Videos anschauen oder im Internet surfen. Ein Nickerchen darf man aber nicht machen. Wie viel der Drive Pilot kosten wird, hat Mercedes noch nicht verraten.

© Daimler AG
Mercedes S-Klasse ist erstes selbstfahrendes Serienauto
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So funktioniert´s

Die Bedienelemente für das System sitzen im Lenkradkranz oberhalb der Daumenmulden rechts und links. Aktiviert der Fahrer den Drive Pilot, regelt er Geschwindigkeit und Abstand und führt das Fahrzeug automatisch innerhalb der Spur. Dabei werden laut Mercedes auch Streckenverlauf, auftretende Streckenereignisse und Verkehrszeichen ausgewertet und berücksichtigt. Das System soll auch auf unerwartet auftretende Verkehrssituationen reagieren und diese eigenständig bewätligen zum Beispiel durch Ausweichmanöver innerhalb der Spur oder durch Bremsmanöver. Der Drive Pilot baut auf der Umfeldsensorik des Fahrassistenz-Pakets der S-Klasse auf, umfasst jedoch zusätzliche Sensoren. Dazu gehören de Lasertechnik LiDAR, ein Nässesensor im Radkasten sowie eine Kamera in der Heckscheibe und Mikrofone. Letztere dienen zum Erkennen von Blaulicht und anderen Sondersignalen von Einsatzfahrzeugen. Ergänzend zu den Sensordaten gibt es Infos zu Straßengeometrie, Streckeneigenschaften, Verkehrszeichen sowie besonderen Verkehrsereignissen (z.B. Unfällen oder Baustellen) von einer HD-Karte.

© Daimler AG
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Hochpräzise Ortung

Das Um und Auf beim autonomen Fahren ist die exakte Positionsbestimmung des Autos. Übliche GPS-Systeme reichen dabei nicht. Mercedes setzt deshalb auf ein spezielles Positionierungssystem, dessen Angaben mit von der Satellitennavigation ermittelten Daten mit Sensordaten und Daten der HD-Karte abgeglichen werden. Letztere liefert ein dreidimensionales Straßen- und Umgebungsabbild. Die Kartendaten werden in Backend-Rechenzentren gespeichert und ständig aktualisiert. Jedes Fahrzeug speichert zudem an Bord ein Abbild dieser Karteninformationen, gleicht es ständig mit den Backend-Daten ab und aktualisiert den lokalen Datensatz.

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„Durchbruch“

Schäfer, der als sogenannter Chief Technology Officer (CTO) verantwortlich ist für Entwicklung und Einkauf, sprach von Pionierarbeit und einem Durchbruch: Mercedes sei der erste Hersteller, bei dem "hochautomatisiertes Fahren in Deutschland in Serie" gehe. Erstmals in der über 130-jährigen Geschichte des Automobils übernehme das Fahrzeug unter bestimmten Voraussetzungen "die dynamische Fahraufgabe". Die Technik solle auch in den USA und China eingeführt werden, wo der Drive Pilot schon länger getestet wird. Sobald es in zusätzlichen Märkten einen nationalen Rechtsrahmen für den hochautomatisierten Betrieb gibt, der insbesondere eine Abwendung von der Fahraufgabe erlaubt, soll schrittweise die internationale Einführung erfolgen.

Zwar bieten auch andere Hersteller bereits teilautonome Fahrsysteme an, doch eine Freigabe für "Level 3" haben sie noch nicht erhalten. Allzu lange wird es aber nicht mehr dauern, bis auch Besitzer von diversen Modellen von Audi, Tesla, BMW, Volvo oder Toyota hochautomatisiert durch den Verkehr bestimmter Länder fahren können.

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