So streng ist die neueste Euro 6d-Abgasnorm

Seit 1. Jänner 2021 in Kraft

So streng ist die neueste Euro 6d-Abgasnorm

Wir zeigen am Beispiel von Audi, wie aufwendig die Umstellung der Modellpalette ist.

In der EU wurden die Abgasvorschriften für Autobauer in den letzten Jahren laufend verschärft. Dabei ist die Abgasnorm Euro 6 für Neufahrzeuge schon Anfang 2015 in Kraft getreten. Seitdem gilt grundsätzlich für Pkw mit Dieselmotor der Stickoxid-Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer, für Autos mit Ottomotor sind es 60 Milligramm pro Kilometer. Mit jeder neuen Stufe hat die Europäische Union jedoch die Anforderungen bei den Messverfahren, Messzyklen, Messabläufen und Test-Randbedingungen verschärft.

Neueste Norm gilt seit 1. Jänner

Die neue Stufe Euro 6d-ISC-FCM, die seit 1. Jänner 2021 für alle Neufahrzeuge gilt, konzentriert sich noch stärker als ihre Vorgänger-Stufe auf die Real Driving Emissions (RDE): Auch bei diesen RDE-Tests, die unter definierten Bedingungen auf der Straße gefahren werden, müssen die Fahrzeuge jetzt die Grenzwerte einhalten. Allerdings werden die Toleranzen bei den Messgeräten durch einen Konformitätswert von 0,43 berücksichtigt. Darüber hinaus schreibt Euro 6d ein On Board Fuel Consumption Monitoring System vor. Audi hat dies als Software im Motorsteuergerät umgesetzt. Derzeit laufen gerade Verhandlungen über die völlig neue Abgasnorm  Euro 7 . Hier befürchten einige Experten, dass sie das  Aus für Verbrennungsmotoren  bedeuten könnte.

>>>Nachlesen:  Neue Infos zur geplanten Euro-7-Abgasnorm

Hoher Aufwand für die Hersteller

Wie hoch der Aufwand für die Umstellung einer Modellpalette ist, zeigen wir am Beispiel von  Audi . Die VW-Tochter hat mit Beginn des Kalenderjahrs 2021 ihre Fahrzeugpalette auf die neue Stufe der Abgasnorm Euro 6d umgestellt. Sämtliche Modelle, die sich im aktuell gültigen Verkaufsprogramm befinden, halten laut Audi die strengen Grenzwerte der Norm Euro 6d-ISC-FCM ein. Die Umstellung war für das Unternehmen alles andere als ein Kinderspiel. Die Herausforderung bestand darin, die vorhandenen Kapazitäten an den Prüfständen in Ingolstadt und Neckarsulm optimal zu nutzen – trotz der Corona-Krise und der damit einhergehenden Arbeitszeit- und Produktionsausfälle. Aktuell sind 193 Modelle nach der neuen Stufe der Abgasnorm zertifiziert, der weitaus größte Teil der bisherigen Palette. In den ersten Monaten des neuen Jahres sollen noch wenige weitere Modelle folgen. Zu Streichungen im Portfolio komme es im Zuge der Umstellung auf Euro 6d nicht, so Audi.

58 Varianten bei einer Baureihe

Unter einem Modell versteht die Zulassungsbehörde in diesem Kontext eine Motor-Getriebe-Variante (MGV) in Verbindung mit einer bestimmten Karosserieform. Dies umfasst einen Triebstrang aus Motor und Kraftübertragung, der in einer bestimmten Baureihe zum Einsatz kommt – beispielsweise ein 2.0 TDI mit Siebengang S tronic und quattro-Antrieb. Mit jeder Karosserievariante – etwa Limousine, Sportback oder Avant – entsteht eine separate MGV. In der breit aufgestellten A4- und A5-Familie gibt es insgesamt 58 Motor-Getriebe-Varianten.

>>>Nachlesen:  VW verfehlt CO2-Ziele knapp - 100 Mio. € Strafe

Unterschiedliche Maßnahmen

Um die neuen Abgasgrenzwerte unter allen Bedingungen zu unterbieten hat Audi hohen Aufwand betrieben. Bei den Dieselmodellen bildete die sogenannte Twindosing-Technologie einen Schlüsselfaktor. Hier arbeiten zwei SCR-Katalysatoren zusammen, um mithilfe der Harnstofflösung AdBlue die Stickoxide in Wasser und Stickstoff aufzuspalten. Der erste Katalysator liegt direkt hinter dem Motor und dient zugleich als Partikelfilter. Seine Aufgabe ist es, die Stickoxide zu mehr als 90 Prozent zu konvertieren, wenn die Abgastemperatur bei normaler Fahrweise zwischen 220 und 350 Grad Celsius liegt. Durch seine Nähe zum Motor springt er schon kurz nach dem Kaltstart an. Der zweite SCR-Kat befindet sich im Fahrzeugboden, er ist zweiteilig ausgeführt. Der motorferne Katalysator übernimmt speziell bei hoher Last und entsprechend hoher Abgastemperatur den Hauptanteil an der Stickoxid-Konvertierung.

Bei den Benzinern richtete sich der Fokus auf die Kohlenstoffpartikel, die vor allem in der Kaltstartphase entstehen. Laut Audi kommen hier Otto-Partikelfilter zum Einsatz, die besonders voluminös ausgelegt sind und die Partikelemission um bis zu 90 Prozent reduzieren.
.