Tesla bleibt auf der Überholspur

Vier Quartale mit Gewinn

Tesla bleibt auf der Überholspur

Einen solchen Erfolgslauf haben dem E-Autobauer nur wenige Experten zugetraut.

Tesla  trotzt der Coronakrise: Der Elektroauto-Pionier hat dank Kostensenkungen und relativ stabilen Umsätzen zum vierten Quartal in Folge einen Quartalsgewinn erwirtschaftet und damit eine wichtige Hürde zum Einzug in den S&P-500-Index der wichtigsten börsennotierten US-Unternehmen genommen. Unter dem Strich stand von April bis Juni ein Gewinn von 104 Millionen Dollar (89,83 Millionen Euro).

Der Umsatz fiel zwar auf 6,04 von 6,35 Milliarden Dollar, Analysten hatten aber wegen der Coronakrise mit einem weit stärkeren Einbruch gerechnet. Trotz eines sechswöchigen Produktionsstopps in seinem Werk in Kalifornien lieferte Tesla im zweiten Quartal gut 90.000 Fahrzeuge aus und will 2020 auf einen Absatz von mehr als einer halben Million kommen. Das Ziel sei aber nun schwer erreichbar, räumte das Unternehmen ein.

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Neue Fabriken

In einer Konferenzschalte nach der Bilanzvorlage bestätigte Musk zudem, dass Teslas zweites US-Autowerk neben dem Stammwerk im kalifornischen Fremont in Texas nahe der Stadt Austin entstehen wird. "Wir werden eine atemberaubende Fabrik direkt am Colorado River bauen", kündigte Musk an. Der Bau von Teslas erstem  europäischen Werk in Grünheide  bei Berlin komme unterdessen ebenfalls sehr gut voran.

Tesla erreichte mit dem erneuten Quartalsgewinn einen Meilenstein - erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 2003 schrieb die Firma über zwölf Monate hinweg schwarze Zahlen. Angesichts von Produktionsausfällen und Absatzeinbußen in der Corona-Krise ist dies ein besonders großer Erfolg, auch wenn die Erlöse im Jahresvergleich insgesamt um rund fünf Prozent auf 6,0 Milliarden Dollar sanken.

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Erwartungen übertroffen

Teslas Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten klar, die Aktie legte nachbörslich deutlich zu. Am Finanzmarkt ist Musks Firma dieses Jahr mit einem bisherigen Kursplus von rund 280 Prozent ohnehin der Überflieger schlechthin. Der Börsenwert schoss zuletzt sogar zeitweise deutlich über die Marke von 300 Milliarden Dollar, damit wird Tesla höher gehandelt als alle anderen Autobauer.

Dass der E-Auto-Pionier aus der Tech-Hochburg Silicon Valley die Corona-Pandemie besser wegsteckt als die Konkurrenz, hatten bereits die Anfang Juli veröffentlichten Auslieferungszahlen für das zweite Quartal gezeigt. Während der Automarkt insgesamt starke Absatzeinbußen verkraften musste, brachte Tesla dank der starken Nachfrage nach seinen Modellen 3 und Y mit knapp 91.000 Fahrzeugen nur fünf Prozent weniger an die Kundschaft als im Vorjahreszeitraum.

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Zweifel an Nachhaltigkeit

Tesla hat mit seiner strikt auf Elektroantriebe und Innovation getrimmten Firmenkultur eine neue Ära in der Autoindustrie eingeläutet, was auch Investoren goutieren. Traditionskonzerne wie Daimler, der im zweiten Quartel einen Verlust von knapp zwei Milliarden Euro einfuhr, können nur neidisch auf den Tesla-Aktienkurs schauen: Der hat sich seit Jahresbeginn vervierfacht, während der Kurs der Daimler-Aktien um 14 Prozent fiel.
 
Experten zweifeln, ob der Erfolg des Pioniers nachhaltig ist. Tesla profitierte im zweiten Quartal von Ausgleichszahlungen, die andere Autobauer dafür zahlen, dass ihre Autos mehr Emissionen verursachen: Die Erlöse daraus stiegen um 21 Prozent auf 428 Millionen Dollar. Zudem profitierte Tesla von vorübergehenden Lohnkürzungen während des Produktionsstopps.
 
 

Zweites US-Werk in Texas

Doch Tesla ist weiter auf Expansionskurs: Gründer und Vorstandschef Elon Musk kündigte an, ein neues Werk in Texas zu bauen und nicht in Oklahoma. In der Nähe der texanischen Hauptstadt Austin, am Colorado River, sollen mehr als 5.000 Arbeitsplätze entstehen. "Das wird ein Öko-Paradies... und für die Öffentlichkeit zugänglich", schwärmte der exzentrische Firmenchef. Die beiden US-Bundesstaaten hatten Tesla mit Steuervergünstigungen und Zuschüssen gelockt. Musk vertröstete den Verlierer Tusla: Die Stadt in Oklahoma komme für einen späteren Ausbau der Produktion infrage. Zum Bau der neuen Fabrik bei Berlin erklärte Tesla, das Projekt mache Fortschritte.
 
 

Wichtige Voraussetzung erfüllt

Vier Quartale mit schwarzen Zahlen sind eine Voraussetzung dafür, dass ein Unternehmen in den S&P-500-Index aufgenommen wird. Vom Börsenwert von fast 300 Milliarden Dollar her wäre Teslas längst ein Kandidat dafür. 95 Prozent der Werte in dem Index sind kleiner. Über die Aufnahme entscheidet aber ein Ausschuss, eine Zeitvorgabe dafür gibt es nicht. Die Index-Mitgliedschaft dürfte den Aktienwert noch einmal steigern, weil sich Indexfonds eindecken müssten. Am Mittwoch stieg das Papier nachbörslich um 4,4 Prozent. Die Kursrallye hat Musk einen Anspruch auf einen Geldsegen von 2,1 Milliarden Dollar beschert. Der 49-jährige Manager bezieht kein Festgehalt.
 
 

Gehen Tesla die Batterien aus?

Musk betonte bei der Präsentation der neuesten Zahlen, dass der Elektroauto-Bauer weiterhin Wachstum über schnelle Gewinne stellen werde. Elektroautos müssten billiger werden. "Was mich am meisten stört, ist, dass unsere Autos nicht erschwinglicher sind. Das müssen wir hinkriegen." Das Model 3, das meistverkaufte Tesla-Modell, kostet in den USA mindestens 37.990 Dollar.
 
Sorgen macht sich Musk um den Nachschub an Batteriezellen. Er appellierte an Bergbaukonzerne, mehr Nickel zu fördern. Das Metall ist einer der wichtigsten Bestandteile von Batterien. "Tesla wird euch einen riesigen Vertrag für einen langen Zeitraum geben, wenn ihr Nickel effizient und umweltfreundlich fördert", sagte Musk. Tesla werde das Geschäft mit Panasonic und der chinesischen CATL ausbauen.