Zukunfts-Mercedes geht in Serie

Laut Daimler-Chef

Zukunfts-Mercedes geht in Serie

Studie fährt von alleine und setzt auf die Brennstoffzellen-Technologie.

Der in Las Vegas präsentierte selbstfahrende Mercedes -Prototyp "F015 Luxury in Motion " dürfte laut Daimler-Chef Dieter Zetsche (beide Bild oben) im nächsten Jahrzehnt regulär auf die Straße kommen. "Wir werden sicher schon in den nächsten Jahren auch mit höheren Geschwindigkeiten auf Strecken wie Autobahnen autonom unterwegs sein", sagte Zetsche auf der Technik-Messe CES in Las Vegas. Man müsse Schritt um Schritt vorgehen.

Klärungsbedarf
"Ein Auto, wie es draußen auf dem Messestand steht, sehe ich im nächsten Jahrzehnt auf der Straße." Dabei sei die Klärung offener rechtlicher und ethischer Probleme für den Zeitplan entscheidend - "die wesentlichen Technologien dafür sind schon serienreif". Dabei gehe es neben Haftungsfragen auch um das Verhalten der Technik bei einem Unfall.

Diashow: Fotos vom Mercedes F 015 Luxury in Motion

Der deutsche Autokonzern Daimler hat auf der Technikmesse CES in der US-Stadt Las Vegas seine Vision für ein selbstfahrendes Auto der Zukunft vorgestellt.

Der silberne Prototyp fuhr selbständig nach einer Tour durch die Wüste und die Stadt auf die Bühne. Eine zentrale Idee des Forschungsfahrzeugs ist ein kontinuierlicher...

...Informationsaustausch zwischen Fahrzeug, Passagieren und Außenwelt. Ein kleiner Schwarm leuchtender LEDs kann sich im Einklang mit dem Fußgänger über den Kühlergrill bewegen.

Mit einer ähnlichen Anordnung roter LED-Lichter am Heck kann auch dem Fahrzeug dahinter angezeigt werden, dass es vor der Motorhaube gerade Bewegung gibt.

Für den bequemen Aus- oder Einstieg drehen sich die Sitze elektrisch angetrieben um jeweils 30 Grad nach außen, sobald die gegenläufigen Türen geöffnet werden.

Das Design des 5,22 m langen, über 2 m breiten und 1,53 m hohen "Monolits" dürfte Traditionalisten etwas schockieren.

Dreh- und Angelpunkt des innovativen Interieur-Konzepts des F 015 ist das variable Sitz-System mit vier drehbaren Lounge-Chairs, das eine Vis-à-Vis-Konstellation der Sitze ermöglicht.

Alle vier Passagiere können die Zeit im Fahrzeug zum Arbeiten, Entspannen oder Kommunizieren nutzen.

Für den Informationsaustausch gibt es sechs rundum installierte, in die Armaturentafel sowie die Rück- und Seitenwände integrierte Displays.

Die Passagiere können über Gesten, Eye-Tracking oder Berührung der hochauflösenden Bildschirme intuitiv mit dem vernetzten Fahrzeug interagieren.

Der außergewöhnlich großzügige Radstand von 3.610 Millimetern zeigt, dass ein maximales Platzangebot für die Passagiere im Fokus der Entwicklung stand.

Zetsche hatte das Problem schon bei der Präsentation des von Grund auf für das autonome Fahren entwickelten Prototypen F015 ungewöhnlich offen für einen Autokonzern-Chef angesprochen. Es gehe um Situationen, "wenn die einzige Wahl zwischen dem Zusammenstoß mit einem kleinen Auto oder einem großen Lastwagen ist, oder es in einen Graben oder in eine Wand zu fahren - oder man riskiert, eine Mutter mit Kinderwagen oder einen 80-jährigen Großvater zu erfassen".

>>>Nachlesen: Das ist der Mercedes der Zukunft

Auto folgt Algorithmus
Das Auto entscheide dabei nicht selbst, sondern folge nur dem vorgebenen Algorithmus, betonte Zetsche. "Diese Entscheidungen werden von den Herstellern und dem Gesetzgeber gemeinsam getroffen werden müssen." Solche Situationen würden zwar in der Zukunft ungleich seltener eintreten als heute - "aber auch für diese wenigen Fälle muss man diese Diskussion führen".

Die ethische Frage ist ein ernsthaftes Problem für die Ära der selbstfahrenden Autos. "Es wird Unfälle geben", sagte ein Manager eines großen internationalen Autozulieferers in Las Vegas. Darauf müsse man sich vorbereiten. Es sei eine Gefahr für die Branche, dass diese Situationen in der öffentlichen Wahrnehmung mehr Aufmerksamkeit erwecken als die vielen vermiedenen Unfälle.

Konkurrenten ebenfalls vor Ort
Daimler sorgte auf der traditionell auf die Elektronik-Industrie ausgerichteten Messe für viel Aufsehen mit dem F015. Auch der deutsche Konkurrent Audi setzte einen Meilenstein für die Technik mit der rund 900 Kilometer langen Tour eines selbstfahrenden Wagens des Modells A7 aus dem Silicon Valley nach Las Vegas. "Ich glaube, dass die deutschen Hersteller vorne sind", sagte Zetsche. "Jetzt geht es darum, dass wir diese Position auch halten."

>>>Nachlesen: Selbstfahrender Audi erreichte Ziel

Das Angebot von Toyota, mehrere Jahre lang die Patente des japanischen Konkurrenten für Brennstoffzellen-Technologien kostenlos zu nutzen , stößt bei Daimler auf kein Interesse. "Das ist genauso eine PR-Aktion wie das Angebot von Tesla-Chef Elon Musk bei den Batterie-Patenten", sagte Zetsche. "Wir sind bei der Wasserstoff-Technologie auf dem gleichen Niveau mit Toyota."

>>>Nachlesen: Toyota lässt Patente gratis nutzen!

Infrastruktur ist nach wie vor ein Problem
Aktuell gehe es vor allem darum, einen Systemwandel mit der Verfügbarkeit und CO2-freien Erzeugung von Wasserstoff hinzubekommen. Dafür arbeite Daimler mit Nissan und Ford zusammen. Der in Las Vegas präsentierte selbstfahrende Prototyp F015 hatte einen Brennstoffzellen-Antrieb.

Toyota hatte auf der CES angekündigt, 5.680 Patente für Brennstoffzellen-Technologie der Konkurrenz kostenlos zur Verfügung zu stellen, um den Markt in Bewegung zu bringen. Das Angebot solle für die Einführungszeit des ersten kommerziell vermarkteten Brennstoffzellen-Modells "Mirai" von Toyota voraussichtlich bis Ende 2020 gelten. Die 170 Patente für Nachfüllstationen will Toyota sogar unbegrenzt gratis nutzen lassen.

Bei der Technologie wird Wasserstoff in Strom umgewandelt. Die Brennstoffzelle gilt als umweltfreundlich, weil keine Abgase entstehen. Aber vor allem die Kosten bleiben weiterhin ein Problem.

>>>Nachlesen: BMW M4 Coupé mit Laser-"Augen“