Teslas Elektro-SUV Model X im großen Test

Pionier noch auf Höhe der Zeit?

Teslas Elektro-SUV Model X im großen Test

Während Tesla-Boss Elon Musk zuletzt mit Tweets zu einem möglichen Börsenrückzug (mittlerweile abgeblasen) und einer öffentlichen Auseinandersetzung mit einem Höhlenretter (Fußballkids in Thailand) für negative Schlagzeilen und strafrechtliche Untersuchungen sorgte, gab es für den Autohersteller selbst einige gute Nachrichten. So schnitt das Model 3 beim Crashtest hervorragend ab, bei den Produktionsproblemen gibt es Fortschritte und das Model S und Model X verkaufen sich nach wie vor bestens. Und obwohl das Elektro-SUV mittlerweile seit über zwei Jahren auf dem Markt ist, setzt es nach wie vor Maßstäbe in Sachen Performance und Reichweite.

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Pionierarbeit macht sich bezahlt

Darüber hinaus ist es nur Tesla zu verdanken, dass mittlerweile auch traditionelle Autobauer auf den Elektro-Zug aufgesprungen sind. Bisher wurden sie von dem jungen US-Konzern nur vorhergetrieben. Jaguar hat mit dem in Österreich gebauten I-Pace (400 PS, 400 km Reichweite) seit wenigen Wochen einen Model-X-Gegner am Start. Audi zieht mit dem jüngst präsentierten e-tron (360 bzw. für kurze Zeit 408 PS; über 400 km Reichweite) Ende des Jahres nach und Mercedes schickt Mitte 2019 den EQC (408 PS, über 400 km Reichweite) auf die Straße. Sieht man sich die Leistungs- und Reichweitenangaben der Newcomer an, sind sie diesbezüglich aber keine „Tesla-Killer“. In einigen Punkten sind die Kalifornier den europäischen Premiumkonkurrenten sogar nach wie vor überlegen. Hier machen sich die jahrelange Pionierarbeit und das angesammelte Know-How also bezahlt. Wir haben uns nach unserem Wintertest nun im Rahmen eines Tests bei sommerlichen Temperaturen angesehen, wie gut das Model X tatsächlich ist.

Diashow Tesla Model X 100D im Test

Model X im Test

Während die Front des Teslas von den meisten neugierigen Elektroauto-Interessenten während des Tests als gelungen eingestuft wurde,...

tModel X im Test

...schieden sich am Heckdesign die Geister. Dieses wurde von vielen als etwas pummelig eingestuft. Doch spätestens wenn sich...

Model X im Test

...die hinteren Flügeltüren ("Falcon Doors") in spektakulärer Art und Weise öffnen, mutiert das Hinterteil zur Nebensache. Es werden Smartphones gezückt, Fragen gestellt und Wiederholungen des Prozederes gefordert.

Model X im Test

Das Interieur mit hellem Leder und penibler Verarbeitung hat einen hochwertigen Eindruck hinterlassen. Selbst bei den aufwendigen Doppelnähten waren keinerlei Fehler zu finden. Hier ist Tesla mittlerweile auf dem Niveau von deutschen Premiumanbietern angekommen. Die Bedienung...

Model X im Test

...erfolgt fast ausschließlich über den 17 Zoll großen Touchscreen. Während sich das bei vielen Herstellern als mühsam erweist, hat es Tesla geschafft, die Menüs selbsterklärend und intuitiv zu gestalten. Dabei profitieren die Amis natürlich auch von der schieren Größe des Displays. Neben dem hervorragenden Navigationssystem sammelte das Model X auch mit dem kostenlosen Spotify-Zugang Pluspunkte.

Model X im Test

Das Kombiinstrument ist ebenfalls als Display ausgeführt. Hier werden alle fahrrelevanten Infos angezeigt. Die Restreichweitenanzeige der Batterie erwies sich dabei als äußerst präzise. Die...

Model X im Test

...Flügeltüren sind nicht nur Show. Sie erleichtern auch den Zugang in den Fond. Bei unserem Testmodell war die 6-sitzige Lounge-Ausführung verbaut. Tesla bietet das Model X auch als 5- oder 7-Sitzer an. Auf den...

Model X im Test

vorderen Sitzen fühlen sich Fahrer und Beifahrer gut aufgehoben. Sie sind langstreckentauglich und verfügen über einen weiten Verstellbereich.

Model X im Test

Selbst wenn alle Sitze aufgestellt sind, bleibt noch Platz für etwas Gepäck. Die hintersten Sitze verschwinden übrigens voll elektrisch im Boden. Im...

Model X im Test

...Fach unter dem Kofferraumboden finden die Ladekabel Platz. Der Anschluss...

Model X im Test

...befindet sich links hinten. Er wird über das Touch-Display geöffnet. Außer man lädt das Auto an einem Tesla Supercharger auf. Dann ploppt die Klappe automatisch auf, sobald man sich mit dem Ladekabel nähert.

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Langstreckentauglich

Tesla bietet sein Elektro-SUV in verschiedenen Versionen an. Die Akkukapazität reicht dabei von 75 bis 100 kWh (NEFZ-Reichweite von 417 bis 565 km), das Leistungsspektrum von rund 330 bis über 770 PS. Wir haben uns in Sachen Leistung für die goldene Mitte entschieden. Konkret fassten wir das Model X 100D aus. Hier sorgen zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 525 PS für Vortrieb. Da an jeder Achse eine E-Maschine sitzt, verfügt das über fünf Meter lange und rund 2,5 Tonnen schwere SUV über einen Allradantrieb. Zunächst wollten wir die Reichweite testen. Deshalb ging es auf eine 270 km lange Etappe von Wien nach Oberösterreich. Bei der Abfahrt war der 100 kWh Akku nicht ganz vollständig geladen. Am Display wurde die Reichweite mit 394 km angegeben. Nach rund 2,5 Stunden kamen wir mit einer Restreichweite von 105 km am Ziel an. Auf der rund 180 km langen Autobahnetappe stellten wir den Tempomat mit automatischer Abstandregelung auf exakt 130 km/h ein. Laut GPS waren wir mit 126 km/h unterwegs. So schwimmt man gemütlich im Verkehr mit und ist ausreichend schnell, um an Lastwagen und Reisebussen rasch vorbeizukommen. Dieses Tempo ist also der beste Kompromiss aus zügigem Vorankommen und ordentlicher Reichweite. Denn jedes km/h mehr, knabbert in diesem Tempobereich merklich an der Restreichweite. Hier machen sich das hohe Gewicht und die große Stirnfläche bemerkbar. Dar Abstandsregeltempomat funktionierte übrigens hervorragend. Er hält automatisch den Abstand zum Vordermann. Dabei bremst er auch selbstständig ab (wenn notwendig bis zum Stillstand) und beschleunigt bei freier Bahn wieder automatisch. Bei der Rückfahrt nach Wien legten wir 320 km zurück. Auch hier zeigte sich die Prognose äußerst präzise. Von der bei der Abfahrt angezeigten Reichweite von 416 km waren am Ende noch 75 km übrig. Der Temperaturbereich von 20 bis 25 Grad spielte dem Model X natürlich in die Karten. Da während den Fahrten jedoch stets die Sonne vom Himmel strahlte, war die Klimaanlage immer eingeschaltet. Eine Reichweite von rund 400 km ist im Alltag also durchaus erreichbar, ohne dass man dabei zum Verkehrshindernis wird, oder auf jeglichen Luxus verzichten zu müssen.

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Beschleunigungsmonster

Da wir mit dem Tesla einige Tage in Oberösterreich/Salzburg verbrachten, mussten wir zum Glück aber nicht immer auf die maximale Reichweite schauen. So konnte das Model X auch seinem Ruf als „Beschleunigungs-Kaiser“ gerecht werden. Wenn man dem großen Allradler die Sporen gibt, beschleunigt er nahezu lautlos in Sportwagenmanier aus dem Stand auf Tempo 100 (4,9 Sekunden). Überholmanöver werden zur reinsten Freude. Die beiden Elektromotoren entwickeln einen verzögerungsfreien Schub, der fast schon surreal wirkt. Bei voller Leistungsabgabe schmilzt aber auch die Reichweite ähnlich schnell wie ein Eisbecher in der Sahara. Über deutsche Autobahnen könnte man sogar mit 250 km/h glühen. Die oben genannten Konkurrenten sind hingegen bei 180 bzw. 200 km/h abgeregelt. Apropos Autobahn: Tesla hat auf den großen Hauptverbindungsrouten in ganz Europa Supercharger installiert, an denen man die Batterien in 30 Minuten zu 80 Prozent aufladen kann. Nach einer etwas (verlängerten) Kaffeepause kann man also wieder mehrere Hundert Kilometer abspulen. Anders sieht es zuhause aus. Hier ist eine Starkstromleitung oder eine Wallbox ein Muss. Denn an der Haushaltssteckdose dauert es fast zwei Tage, bis die 100kWh-Batterie vollgeladen ist.

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Innenraum

Im Vergleich zu den Anfangsjahren haben die Kalifornier auch in Sachen Verarbeitung stark zugelegt. An unserem Testwagen gab es in diesem Punkt - bis auf den falsch eingestellten Scheibenwischer auf der Fahrerseite - nichts zu meckern. Auch die Spaltmaße und Materialqualität stehen deutschen Premiumanbietern kaum bzw. gar nicht nach. Das weiße Leder unseres Testwagens sah nicht nur gut aus, sondern war auch ein haptischer Genuss. Die Kleidung sollte vor dem Einsteigen jedoch stets sauber sein. Die bis zu 6 Mitfahrer (das Model X gibt es als 5-, 6- oder 7-Sitzer) freuen sich über ein gutes Platzangebot, Annehmlichkeiten wie Spotify-Zugang oder über die Möglichkeit im Internet zu surfen. Die riesige Panoramawinschutzscheibe durchflutet das Cockpit geradezu mit Licht und ermöglicht nachts bei klarem Himmel auch einen tollen Ausblick auf die Sterne. Die Bedienung erfolgt nahezu komplett über den 17 Zoll großen Touchscreen. Dabei hat es Tesla geschafft, das Menü sehr intuitiv zu gestalten. Wer mit einem Smartphone oder Tablet zurechtkommt, hat auch mit dem Model X - trotz des immensen Funktionsumfangs - keinerlei Probleme. Manuelle Tasten findet man nur mehr am Lenkrad. Da passt es gut ins Bild, dass auch das volldigitale Kombiinstrument übersichtlich gegliedert und gut abzulesen ist. Und auch das hervorragende Echtzeit-Navi mit den Satellitenbildern auf dem riesigen Display ist nach wie vor ein Hingucker.

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"Smartphone-Magnet"

Spätestens wenn sich die hinteren Pforten öffnen, wird das Model X zum absoluten Hingucker, der selbst Supersportwagen die Show stiehlt. Denn sobald die Flügeltüren (Falcon Doors) auf Knopfdruck per komplexer Mechanik hochschwingen, dauert es nicht lange, bis sich eine Menschentraube bildet und nicht nur die Teenies ihre Smartphones für Fotos und Videos zücken. Sobald die serienmäßige Luftfederung, die übrigens einen guten Kompromiss aus Komfort und Straffheit liefert, den Elektro-SUV dann auf das Ausgangsniveau absenkt, erschreckt die Masse kurz, ehe sie anfängt, den Fahrer mit allerlei Fragen zum Model X zu durchlöchern.

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Preis sorgt für "verkehrte Welt"

Wäre da nicht der hohe Preis, gäbe es kaum Anlass für Kritik. Tesla bietet das Model X 100D ab 116.330 Euro an. Unser Testwagen hatte noch Extras im Wert von gut 18.000 Euro mit an Bord. Highlight war dabei die 6-sitzige Lounge-Ausführung (6.600 Euro) mit der bereits erwähnten weißen Lederausstattung (3.800 Euro). Weiters schlugen noch die 20 Zöller, die Metalliclackierung und das Carbon-Dekor zu Buche. Unterm Strich standen exakt 134.480 Euro auf dem Preiszettel. Für das günstigste Model X (75D) verlangt Tesla mindestens 96.730 Euro. Dafür gibt es zwar eine umfangreiche Ausstattung (Navi, Internet, Spotify, WLAN, 17 Zoll Touchscreen, Flügeltüren, Assistenzsysteme, etc.), doch eine solche bieten die neuen Konkurrenten ebenfalls. Und hier sind die Einstiegsmodelle trotz größerer Batteriekapazität und mehr Leistung deutlich günstiger. Für den I-Pace werden etwas über 78.000 Euro fällig, der e-tron kostet ab 82.000 Euro und der EQC dürfte sich auf einem ähnlichen Preisniveau befinden. Am Image mangelt es Audi, Mercedes und Jaguar in unseren Breiten auch nicht. Zu Teslas Verteidigung muss man jedoch sagen, dass das Model X etwas größer ist und mit bis zu sieben Sitzen angeboten wird. In den drei anderen Elektro-SUVs haben maximal fünf Personen Platz.

Das Fazit klingt fast ein bisschen nach verkehrter Welt: Bei Leistung und Reichweite können die deutschen und britischen Autohersteller nicht an den Amerikanern vorbeiziehen, dafür punkten sie beim Preis. Bei normalen Autos sind die US-Fahrzeuge den europäischen Premiumanbietern hingegen meistens unterlegen, punkten dafür aber mit wahren Schnäppchenpreisen. Bei den E-SUVs ist die Autowelt also quasi auf den Kopf gestellt.

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Technische Daten Model X 100D

  • Motoren: 2 Drehstrom-Asynchronmotoren
  • Leistung:  525 PS, 0-100 in 4,9 Sekunden; 250 km/h           
  • Antrieb: Elektrischer Allrad
  • Batteriekapazität: 100 kWh Batterie  
  • Reichweite: 565 km (Norm)
  • Gewicht: 2.459 kg
  • Anhängelast: 2.250 kg
  • Kofferraum: 2.180 Liter (max)
  • Abmessungen: 5,04 x 2,07 x 1,68 (LxBxH) 
  • Radstand: 2,96 Meter
  • Preis: ab 111.330 Euro (Test: 134.480 Euro)
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