Der neue McLaren 650S im Test

Echte Fahrmaschine

Der neue McLaren 650S im Test

Die Briten haben einen genialen Supersportwagen auf die Räder gestellt.

McLaren lässt seinem Versprechen, jedes Jahr ein neues Auto auf den Markt bringen zu wollen, Taten folgen. Jüngstes Beispiel ist der brandneue 650S bzw. 650S Spider , der den 12C in Rente schickt und nun in den Handel kommt. Wir konnten den neuen Supersportler bereits fahren. Dieser basiert zwar im Grunde auf dem 12C, wurde aber deutlich weiter entwickelt. Hier machen sich vor allem die Erkenntnisse aus der Entwicklung des ausverkauften Hybrid-Supersportwagens P1 (916 PS), der zuletzt eine wahre Fabelzeit auf dem Nürburgring knallte, positiv bemerkbar. Von dem übernimmt er auch gleich das Frontdesign. Auf dieses werden alle künftigen McLaren-Modelle setzen. Die Briten wollen ihrer Flotte  nämlich ein einheitliches Markengesicht geben, was wiederum zu einem hohen Wiedererkennungseffekt führen soll.

Diashow: Fotos vom Test des McLaren 650S

Fotos vom Test des McLaren 650S

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    Neuerungen
    Die neue Front, zu der auch die ab sofort serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer zählen, hat aber nicht nur optische Auswirkungen. So verfügt der aggressiver gestylte Frontstoßfänger über einen integrierten Frontsplitter, der zu besseren Abtriebswerten beiträgt. Neue Luftleitlamellen an der unteren Kante der Flügeltüren leiten die Luft hinter dem Frontsplitter und Vorderrädern, was den Grip vorn und die Balance des Fahrzeugs ebenfalls verbessert.  Vergrößerte Seiteneinlässe leiten mehr Luft in die Kühler, die zusätzlich etwas schräger platziert wurden, um das Triebwerk noch effektiver kühlen zu können. Am Heck hat sich am wenigsten getan. Hier sind die Unterschiede zum 12C fast nur erkennbar, wenn der 650S direkt daneben steht. Selbstredend ist auch die bewährte Airbrake (Spoiler stellt sich beim starken Abbremsen auf) wieder mit an Bord. Diese wurde aber genau wie die aktive Aerodynamik weiter entwickelt und sorgt so für eine noch höhere Stabilität in etlichen Fahrsituationen.

    Hinter dem Fahrer ist wohl der wichtigste Part des McLaren 650S platziert. Die Rede ist vom überarbeiteten 3,8 Liter Twin Turbo V8-Triebwerk, das nun 650 PS (plus 25 PS) leistet und ein Drehmoment von 678 Nm an die Hinterräder schickt. Dank Leichtbau inklusive extrem steifen Karbonchassis bringt der Überflieger trocken lediglich 1.330 kg auf die Waage. Kein Wunder, dass die Maximalleistung das beste Leistungsgewicht in seiner Klasse bereitstellt – sagenhafte 500 PS pro Tonne. Da fallen auch die 40 Zusatz-Kilo des Spiders kaum auf. Diese sind dem praktischen, auf Knopfdruck einfahrbaren  Hardtop (bis 30 km/h auch während der Fahrt) geschuldet.

    Beeindruckendes Fahrverhalten
    Wie wirkt sich diese geballte Ladung an Technik nun auf das Fahrverhalten aus? Kurz gesagt: schlichtweg beeindruckend. Wenn man will, stürmt der 650S nach vorne wie von der Tarantel gestochen. Dies wird durch die Fahrleistungen (0 auf 100 km/h in 3,0 Sekunden, 0 auf 200 km/h in 8,4 bzw. 8,6 Sekunden, Maximalgeschwindigkeit 333 km/h bzw. 329 km/h) mehr als eindrucksvoll untermauert. Wie sich diese Papierwerte in der Realität anfühlen, ist nur schwer zu beschreiben. Die Beschleunigung erinnert eher an ein Motorrad, als an ein Auto mit Straßenzulassung. Im Drehzahlkeller gibt es zwar ein ganz kleines Turboloch, doch wenn dieses einmal überwunden ist, ist der McLaren nicht mehr zu halten. Er dreht frei hoch wie ein Sauger, das überarbeitete Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schnalzt die Gänge rein, dass es nur so eine Freude ist und der Motor brüllt, als gäbe es kein Morgen. Hier sorgt vor allem die neue Cylinder-Cut-Technologie, die durch das Abschalten von zwei Zylindern eine Verpuffung im Auspuff beim Hochschalten erzeugt, für die spektakuläre Akustik (im Sportmodus) bei. Im Sport oder im Track-Modus wird das Ganze noch präziser und brutaler. Hier braucht es schon eine kundige Hand am Steuer. Überhaupt dann, wenn man das elektronische Stabilitätsprogramm komplett deaktiviert. Das macht zwar höllisch Spaß, ist aber nur für die Rennstreck zu empfehlen. Denn auch im Sportmodus sind schöne Drifts und Heckschwenks möglich. Die eigens für den 650S entwickelten Pirelli-Reifen verdienen das Prädikat „Patex-tauglich“ und sind ebenfalls ein Grund dafür, dass mit dem Fahrzeug Kurvengeschwindigkeiten jenseits von Gut und Böse möglich sind. Enge Kehren machen besonders viel Spaß. Hier biegt der 650S ab, wie ein Feldhase, der gerade einen Jagdhund abschütteln will. Die Lenkung ist nicht nur unheimlich direkt, sie liefert auch eine perfekte Rückmeldung. Deshalb lässt sich der 650S unglaublich präzise bewegen. Untersteuern gibt es kaum. Damit bewegt sich das Auto in einer Liga mit dem Ferrari F458 Speciale , der aber bei weitem nicht so alltagstauglich ist. Ein Lamborghini Aventador ist zwar noch stärker und mit Allrad gesegnet. Doch sein höheres Gewicht sorgt dafür, dass er bei der Agilität mit dem schnellen Briten nicht mithalten kann. Und der brandneue Huràcan (610 PS) muss sich bei den Fahrleitungen ebenfalls geschlagen geben. Genauso beeindruckend wie die Beschleunigung, ist die Verzögerung. Wenn man voll in die Eisen steigt, fühlt sich das an, als hätte man gerade einen tonnenschweren Anker aus dem Fenster geworfen. Die Augäpfel bleiben noch geradeso in die dafür vorgesehenen Höhlen. Grund für die brachiale Bremsleistung: McLaren stattet sein jüngstes Pferd serienmäßig mit einer Karbon-Keramik-Bremsanlage aus. Die hält selbst höchsten Temperaturen und somit auch einigen Runden auf der Rennstrecke stand. Lediglich der Pedalweg wird mit der Zeit etwas länger. Auf die Bremsleistung selbst, hat das aber keinerlei negative Auswirkungen.

    Kaum zu glauben: Der 650S kann auch anders
    Die größte Überraschung ist jedoch, dass sich der McLaren 650S auch ganz normal bewegen lässt. Im Normal-Modus und reinem Automatik-Betrieb (man kann die Gänge auch manuell via Schaltpaddels einlegen) kann man seine Mutter mit dem Auto ohne schlechtem Gewissen zum Brötchenholen schicken. Hier ist der Supersportler um niedrige Drehzahlen, eine zurückhaltende Soundkulisse und eine verträgliche Fahrwerksabstimmung bemüht. Zum weichen Kerl wird er aber trotzdem nicht. Zum Wohlbefinden an Bord trägt auch das neue Navigationssystem bei, das extrem schnell arbeitet und kinderleicht zu bedienen ist. An einige Schrulligkeiten wie die Temperaturregler in den Türen oder die (zu) weit hinten sitzenden Fensterheber gewöhnt man sich schnell. Komfortfeatures wie ein elektrisch verstellbares Lenkrad, eine Klimaautomatik oder eine Leder- bzw. Alcantara-Ausstattung sind serienmäßig mit an Bord. McLaren-Kunden wollen ihr Auto oft und gerne fahren. Da darf so etwas nicht fehlen. Und endlich ist auch eine Rückfahrkamera erhältlich. Diese ist auch ein absolutes Muss, denn eine Sicht nach hinten gibt es quasi nicht. Schon das elektrisch verstellbare Seriengestühl bietet einen hervorragenden Seitenhalt. Wer aber gerne einmal einen Abstecher auf die Rennstrecke macht, sollte sich die optionalen Sportsitze leisten. Diese sind in der Höhe zwar nur mit Werkzeug verstellbar und die Längsverstellung erfolgt manuell, dafür passen sie aber auch wie maßgeschneiderte Turnschuhe.

    Fazit
    Gegen die Alltagstauglichkeit sprechen – neben dem für Normalverdiener exorbitanten Preis von 296.921 Euro für das Coupé (ohne Steuern ist 195.323 Euro) bzw. 328.041 Euro für den Spider (exkl. Steuern 215.797) - der jüngsten Belastung für heimische Autofahrer sei Dank – auch der hohe Verbrauch (die 11,7 Liter Normverbrauch kann man getrost vergessen), der kleine Kofferraum (144 Liter) und der ziemlich mühsame Einstieg. Doch mit diesen Makeln müssen Käufer aller Autos dieser Klasse leben. Einen Supersportwagen kauft man ja wegen dem Fahrgefühl und nicht wegen seiner Alltagstauglichkeit. Und bei diesem Hauptkriterium reiht sich der neue McLaren 650S ganz vorne ein. Er ist eine perfekte Fahrmaschine, die man nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch im normalen Verkehr bewegen kann. Und das verdammt schnell.

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    Technische Daten
    Motor: 3,8l-Bi-Turbo mit 650 PS und 678 Nm
    Fahrleistungen: 0 auf 100 km/h in 3,0 Sekunden, 0 auf 200 km/h in 8,4 bzw. 8,6 Sekunden (Spider)
    Maximalgeschwindigkeit: 333 km/h bzw. 329 km/h (Spider)
    Abmessungen: 4,51 x 2,09 x 1,19 Meter (L x B x H), Radstand: 2,67 Meter
    Reifen: 235/35 R19 vorne, 305/30 R20 hinten
    Leergewicht: 1.330 kg bzw. 1.370 kg (Spider)
    Normverbrauch: 11,7 Liter auf 100 km (275g CO2/km)
    Kofferraumvolumen: 144 Liter
    Preise: ab 296.921 Euro bzw. ab 328.041 Euro Spider

    Fotos vom Hybrid-Sportler P1

    Diashow: Fotos vom McLaren P1 (2013)

    Fotos vom McLaren P1 (2013)

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      Weitere Fotos vom 650S

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        Fotos vom 12C Spider

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