Elektroautos von Renault versagen im Crashtest

test

Elektroautos von Renault versagen im Crashtest

Artikel teilen

Der ZOE und der (Dacia) Spring erlebten bei der EuroNCAP-Sicherheitsüberprüfung ein Debakel.

Die  EuroNCAP-Crashtests  haben in jüngerer Vergangenheit über alle Fahrzeugklassen hinweg meist sehr gute Ergebnisse gebracht. Viele neue Autos fahren trotz laufend verschärften Vorgaben die Höchstwertung von fünf Sternen ein. Echte negative Ausreißer gab es nur noch ganz selten. Doch im aktuellen Crashtest des ÖAMTC und seiner Partnerorganisationen gab es für zwei Elektroautos aus dem  Renault -Konzern ein echtes Debakel. Konkret geht es dabei um den  ZOE  und den günstigsten Stromer Österreichs - den  Spring , von der rumänischen Renault-Tochter Dacia. Insgesamt wurden beim aktuellen Crashtest elf Modelle gegen die Wand gefahren. Bis auf die beiden Stromer, heimsten sie alle vier bzw. fünf Sterne ein.

Nur 1 Stern für den Spring 

Beim Dacia Spring sind die Ergebnisse aller Testkriterien – Erwachsenen-, Kindersicherheit, Schutz vulnerabler Verkehrsteilnehmer und Ausstattung mit Assistenzsystemen – auf unterdurchschnittlichem Niveau. ÖAMTC-Experte Max Lang nennt ein Beispiel: "Potenziell drohen erwachsenen Insassen in mehreren Szenarien schwerste Verletzungen: Beim Frontalcrash gegen ein anderes Fahrzeug oder einem Seitenaufprall kann es auf dem Platz hinter dem Steuer sehr gefährlich werden, sitzt man hinten, kann es beim Frontalaufprall zu schwersten Kopfverletzungen, beim Aufprall von hinten zu lebensgefährlichen Verletzungen an der Halswirbelsäule kommen." Insgesamt reichte es für das günstigste E-Auto Österreichs nur zu einem Stern.

 
 

ZOE mit 0 (!) Sternen bewertet

Die Werte des ZOE entsprechen laut den Testern in punkto Erwachsenen-, Kindersicherheit und Schutz von Fußgänger und Radfahrenden in etwa denen des Spring. Im Detail gibt es allerdings Unterschiede – so läuft man als Fahrer des ZOE speziell beim seitlichen Aufprall gegen einen Baum oder Laternenmasten Gefahr, lebensgefährliche Kopfverletzungen zu erleiden, während die Ergebnisse des Frontalcrashs etwas besser ausfallen. Gemeinsam ist beiden die große Wahrscheinlichkeit von schwersten Verletzungen der Halswirbelsäule, wenn ein anderes Auto von hinten auffährt. Und: Der ZOE ist noch kleiner als der Spring, es bestehe also auch hier das Risiko, dass die Person hinter dem Steuer mit dem Kopf an die Tür auf der gegenüberliegenden Seite pralle, wenn das E-Auto seitlich getroffen werde. Mit einer Bewertung von 0 Sternen erleidet der französische Stromer ein echtes Debakel. Hier macht sich offenbar die betagte Grundbasis negativ bemerkbar. Der ZOE hat zwar vor zwei Jahren  ein großes Facelift bekommen , doch dieses basiert nach wie vor auf der im Jahr 2013 eingeführten Plattform.

 
 

Unterschiede

Der Unterschied zwischen einem Stern und null Sternen liege in der Ausstattung mit Assistenzsystemen, so die Tester. Der Dacia Spring ist serienmäßig zumindest mit einem automatischen Notbremssystem ausgestattet, das auf Autos reagiert und in den meisten Testszenarien auch adäquat funktioniert. Weitere Assistenten, beispielsweise Unterstützung beim Spurhalten, suche man allerdings vergeblich. Renault verzichtet beim ZOE im Gegensatz dazu komplett auf Assistenten, die über den vorgeschriebenen Seatbelt-Reminder und einen Speed-Limiter hinausgehen. "Das ist nicht zeitgemäß und ein Sicherheitsmalus, den man in diesem Ausmaß selten bei modernen Fahrzeugen sieht. Die Null-Sterne-Wertung ist die einzig mögliche Konsequenz – hier ist der Hersteller dringend zur Nachbesserung aufgefordert", hält Lang fest. 

Strenge Vorgaben

Zugelassen zum Verkehr seien diese beiden Fahrzeuge trotz der schlechten Bewertungen sehr wohl, sie erfüllten die dafür notwendigen rechtlichen Voraussetzungen. Die Crashtests nach EuroNCAP seien allerdings deutlich strenger und hätten einen anderen Fokus als die Verfahren zur Typengenehmigung. "Die schwache Gesamtwertung hat bei beiden Modellen auch nichts damit zu tun, dass es sich dabei um Elektroautos handelt. Unsere Crashtests haben ja immer wieder gezeigt, dass sich E-Fahrzeuge in Sicherheitsbelangen in der Regel nicht zu verstecken brauchen – so auch der Fiat 500e, der auch von der Größe her mit diesen beiden Modellen vergleichbar ist und vier Sterne erreicht", stellt Lang klar.

Restliche Kandidaten

Für die restlichen neuen Pkw im aktuellen Crashtest fällt die Bewertung deutlich besser aus: BMW iX, die Genesis-Modelle G70 und GV70, Mercedes EQS, Nissan Qashqai, Skoda Fabia und VW Caddy schaffen fünf Sterne, Fiat 500e und MG Marvel R immerhin noch vier. Diese mit fünf Sternen bewerteten Autos würden über hohe Sicherheitsstandards für Erwachsene und Kinder verfügen, weiters seien sie mit umfangreichen Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Verbesserungsmöglichkeiten gäbe es vor allem beim Schutz vulnerabler Verkehrsteilnehmer, so die EuroNCAP-Experten. Letzteres sowie Schwächen in der Kindersicherheit kosteten den MG Marvel R den fünften Stern, beim Fiat 500e sei es neben dem Fußgängerschutz vor allem die Sicherheit für erwachsene Insassen, die zu wünschen übrig lasse.