Kindersitztest 2016: Die Tops & Flops

23 neue Modelle

Kindersitztest 2016: Die Tops & Flops

Tester sind in diesem Jahr mit den Ergebnissen weitestgehend zufrieden.

Gute Neuigkeiten für Eltern, die mit ihrem Nachwuchs öfters mit dem Auto unterwegs sind: Nachdem beim Kindersitztest 2015 drei Kindersitze ob ihrer schlechten Leistung komplett durchgefallen sind, sieht die Sache in diesem Jahr deutlich erfreulicher aus. Denn der ÖAMTC-Kindersitztest 2016 hat fast nur gute Ergebnisse gebracht. "Von 23 getesteten Sitzen wurden nur fünf mit einer schlechteren Note als 'Gut' bewertet", fasste ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl die Resultate zusammen. "Erfreulicherweise war die Schadstoffbelastung, die bei den vergangenen Tests immer wieder für schlechte Bewertungen sorgte, diesmal kein Problem."

Die Babyschale Kiddy Evo-Luna i-Size erreichte als einziger Testkandidat ein "Sehr gut". Am schwächsten schnitten die Sitze Nania Revo und Chicco Seat-Up 012 (beide "Genügend") ab. "Abgesehen von diesen beiden Sitzen haben alle Modelle die gesetzlichen Auflagen zum Teil deutlich übertroffen", betonte Kerbl.

Alle Ergebnisse im Überblick


Grafik öffnet sich per Mausklick; (c) ÖAMTC

Die zwei mit "Genügend" beurteilten Modelle haben eines gemeinsam: Schwächen in der Bedienung. "Der Chicco Seat-Up 012 kann sehr lange eingesetzt werden - von der Geburt bis ca. 25 kg. Bei korrekter Montage ist zwar auch die Sicherheit befriedigend, allerdings machen fünf verschiedene Einbauvarianten die Handhabung vergleichsweise aufwendig und fehleranfällig", erklärte Kerbl. Auch beim Nania Revo hatten die Tester mit aufwendigem Einbau zu kämpfen. Schwerer wiegt bei diesem Sitz aber das erhöhte Verletzungsrisiko bei einem Seitencrash.

Alle Gewichtsklassen
Getestet wurden wie immer Sitze aus allen Gewichtsklassen. Im aktuellen Test waren gleich acht Modelle mit "i-Size"-Zulassung vertreten. "Das ist Teil der EU-Norm ECE R129, die die Kindersicherheit im Auto weiter verbessern soll." Von der bisherigen Norm unterscheidet sich die "i-Size"-Zertifizierung im Wesentlichen insofern, als dass diese Sitze einen Seitenaufpralltest bestehen müssen, um eine Zulassung zu erhalten. Für welches Kind ein Sitz passt, wird nicht mehr anhand des Gewichts festgelegt. Stattdessen wird der Größenbereich (z. B. von 40 bis 105 cm) angegeben, für den ein Kindersitz geeignet ist. Die (komplizierte) Klasseneinteilung entfällt. Außerdem müssen in diesen zertifizierten Sitzen Kinder bis zum Alter von 15 Monaten gegen die Fahrtrichtung befördert werden. Und die Unterstützung von Isofix ist für "i-Size"-Sitze Pflicht. Damit verringert sich das Risiko einer fehlerhaften Installation deutlich.

© ÖAMTC
Diese 23 neuen Kindersitze wurden getestet. (c) ÖAMTC

Neue Norm ohne Auswirkungen auf alte Sitze
"Für Eltern, die bereits einen Kindersitz haben, ändert sich durch diese Norm übrigens nichts", sagte der ÖAMTC-Techniker. Bereits vorhandene Sitze dürfen weiterhin verwendet werden, ein Verbot ist derzeit nicht geplant. Wer einen neuen Sitz braucht, kann also ohne Bedenken zwischen alter und neuer Norm wählen.

"Nicht jeder Kindersitz passt übrigens gleich gut in jedes Auto, weshalb man auf einen 'Blindkauf' verzichten sollte", riet Kerbl. Besser ist es, das eigene Fahrzeug neben Kind mitzunehmen und die infrage kommenden Modelle gleich vor Ort auszuprobieren.

Dabei ist zu beachten:

  • Der Kindersitz muss stabil und standsicher im Fahrzeug eingebaut werden können. Bei älteren Fahrzeugen können z. B. lange Gurtschlossbefestigungen dazu führen, dass sich der Sitz nicht stabil festschnallen lässt.
     
  • Damit eine optimale Rückhaltung gewährleistet ist, ist darauf zu achten, dass die Gurte möglichst geradlinig verlaufen und keine Falten werfen.
     
  • Speziell bei Babyschalen sollte geprüft werden, ob die Gurtlänge im Fahrzeug ausreicht, um den Sitz sicher anschnallen zu können. Ist der Gurt zu kurz für eine herkömmliche Babyschale, lässt sich eventuell einer mit separater Basis montieren.
     
  • Nach dem Kauf sollte man sich mit der Handhabung des Sitzes vertraut machen. Der richtige Einbau ist wichtig, damit der Sitz das Kind im Falle eines Unfalls bestmöglich schützen kann. Besonders ist darauf zu achten, dass die Gurte straff angezogen werden. Jacken sollten unter dem Beckengurt herausgezogen werden, so dass der Gurt möglichst nahe am Körper anliegt.