Corona: Europas Autobauer treten auf die Bremse

VW, Fiat, Seat, Audi etc.

Corona: Europas Autobauer treten auf die Bremse

Produktionsstopp bzw. Kurzarbeit bei Fiat, Seat und Audi; VW-Betriebsrat warnt vor massiven Auswirkungen.

Die rasante Ausbreitung des Coronavirus führt nun auch in der europäischen Autoindustrie zu Einschränkungen in der Produktion. Als Erstes kündigte FCA ( Fiat  Chrysler) an, in Italien mehrere Werke vorübergehend stillzulegen, um die Ausbreitung der Lungenkrankheit zu hemmen. Die Werke in Pomigliano, Melfi, Atessa und Cassino sollen jeweils zwischen Mittwoch und Samstag an zwei Tagen ruhen, wie der Autobauer mitteilte.
 
Seat  bereitet die Belegschaft wegen Problemen mit der Lieferkette auf die vorübergehende Freistellung von Personal vor. Bei  Volkswagen  rechnet der Betriebsrat mit massiven Auswirkungen auf die Arbeit bei dem Autobauer und kritisiert in dem Zusammenhang den Vorstand, von dem er mehr Führung in der Coronakrise fordert.
 
 

Es hapert am Teilenachschub

Unklar war zunächst, wie stark die Versorgung der europäischen Autofabriken mit Teilen bereits in Stocken geraten ist. Bei Fiat wurde die vorübergehende Stilllegung der Werke eher mit der Eindämmung der Seuche als mit fehlenden Bauteilen begründet. Ein Insider sagte sogar, die Produktionsunterbrechungen seien in keiner Weise Folge lückenhafter Lieferketten. Italien ist besonders hart von der Epidemie getroffen, im ganzen Land gelten inzwischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Bei der spanischen VW-Tochter hieß es, das Werk Martorell in der Nähe von Barcelona laufe derzeit normal. "Es gibt jedoch Risiken, die sich aus Covid-19 ergeben, das die Lieferkette beeinträchtigt hat", sagte ein Seat-Sprecher.
 
Audi  kündigte wegen aktueller Engpässe in der Teilelieferung an, im Werk Brüssel im März im Schnitt nur noch an drei statt fünf Tagen fertigen zu lassen. "Es wurde Kurzarbeit vereinbart, eine für Belgien übliche Vorgehensweise", teilte Audi mit. Einen Zusammenhang mit dem Coronavirus verneinte der Autobauer. Bereits im Februar hatten Nachschubprobleme bei Batteriekomponenten Audi zu einem  vorübergehenden Produktionsstopp  seines Vorzeige-Elektroautos e-tron gezwungen.
 
 

VW-Probleme bei Golf 8 und ID.3

Der VW-Betriebsrat mahnte "Führung und Verantwortung vom Vorstand" in der Corona-Krise an. Vom Management komme diesbezüglich "zu wenig". Betriebsratschef Bernd Osterloh nahm das Thema zum Anlass, generell auf Missstände hinzuweisen. "Wir haben zu viele offene Baustellen und zu wenig Führung vom Vorstand", erklärte er in einem am Mittwoch verbreiteten Flugblatt der Arbeitnehmervertretung. Er vermisse klare Ansagen bei der Frage nach Zuständigkeiten. Als Beispiel nannte Osterloh Probleme beim Anlauf des neuen  Golf in achter Generation . Bei dem laufe es "alles andere als rund". Beim für VW ebenso wichtigen neuen Elektroauto  ID.3  (Bild oben) sei die Lage nicht viel besser. Insider berichten schon länger von Problemen mit der Software bei den beiden Modellen. "Man hat zu viel auf einmal gewollt mit einer Technik, die nicht ausgereift war", sagte eine Person mit Kenntnis der Vorgänge.
 
 

Viruskrise kommt zur Unzeit

Die Coronakrise, die ihren Ursprung in China hat, trifft die Branche in einer Phase, in der die Pkw-Nachfrage wegen der schwächelnden Konjunktur und der Unsicherheit durch den EU-Austritt Großbritanniens bereits schrumpft. Auch in Österreich sind die  Neuzulassungen im Februar 2020 eingebrochen . Experten gehen davon aus, dass die Autoproduktion in Europa wegen der Virusausbreitung zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen wird. "Wenn ohnehin weniger Autos verkauft werden, ist es kein Problem, wenn die Produktion sinkt", sagte dazu ein Arbeitnehmervertreter bei einem der Autobauer.
 

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