Immer mehr Autohäuser gehen pleite

130 Insolvenzen in Österreich

Immer mehr Autohäuser gehen pleite

Die Marktbereinigung bei den Autohäusern geht nicht nur weiter, sondern hat 2018 sogar richtig Fahrt aufgenommen. Im Vorjahr sperrten rund 130 Händler zu, ein Plus von 43 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Hersteller bereinigen ihr Vertriebsnetz, die Zahl der Autokonzerne sinkt durch Fusionen, die E-Mobilität schwächelt, die Online-Konkurrenz steigt und die Jungen lassen aus.
 
 

Neuwagenkäufer immer älter

Laut deutschen Studien ist der durchschnittliche Neuwagenkäufer mittlerweile knapp über 50 Jahre alt, gleichzeitig sinkt die Zahl der abgelegten Führerscheinprüfungen. Für Burkhard Ernst, Obmann des Wiener Fahrzeughandels, primär ein Thema zwischen Stadt und Land. Ein Gefälle bestätigt auch eine OGM-Umfrage (Sample: 997 Personen) im Auftrag der Pkw-Händler: Während bei Städtern und Jüngeren der Internetvertrieb wichtiger werde, zählten am Land und bei Älteren immer noch der persönliche Kontakt mit dem Autohaus.
 
 

Verteuerungen wegen WLTP-Test

Die rückläufigen Zulassungszahlen heuer führt Ernst auf Vorziehkäufe durch die Umstellung auf die neue Abgasmessung ("WLTP") im Vorjahr zurück. Wobei hier auf künftige Autokäufer schlechte Nachrichten zukommen dürften. Lenkt die neue Regierung bei der Normverbrauchsabgabe (NoVA) nicht ein, dann werden ab 1. Jänner Neuwagen um rund fünf Prozent teurer, so Ernst am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Er hat aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass mit Jahreswechsel die bisherige Regelung weiter gilt.
 
 

Internet sei Segen und Fluch zugleich

Zur Zukunft der Autohäuser meinte Ernst, für diese sei das Internet Segen und Fluch zugleich. Einerseits bringe es eine Kostenersparnis in den Abläufen, andererseits erhöhe es die Konkurrenz. Ganz verschwinden würden die Autohäuser jedenfalls nicht, denn nach wie vor werde ein verschwindend kleiner Teil der Vertragsabschlüsse online erledigt. Was sich ändern müsse sei die Größe der Schauräume, diese müssten "drastisch" kleiner werden. Wie groß die Zahl der Händler ist, die auf eigene Rechnung und nicht im Dienste eines Herstellers arbeiten, lasse sich schwer sagen - aber Marktführer VW mit rund 30 Prozent Marktanteil habe inzwischen einen Großteil "in den Konzern überführt", so Ernst. Auffällig sei, dass die Bedeutung der Probefahrten zurück gehe und in Wien praktisch bedeutungslos sei. Hier erwartet Ernst den verstärkten Einsatz von digitalen Lösungen - Stichwort Virtual Reality.
 
 

Diesel nach wie vor weit vor E-Autos

Zur Diskussion um den Diesel betonte Ernst, dass zwar im Vorjahr eine "Schubumkehr" bei den Zulassungen in Richtung Benzinmotor stattgefunden hat, der überwiegende Bestand der Fahrzeuge im Betrieb aber weiterhin mit Diesel fahre. Und der Diesel weiter seine Berechtigung habe, wie die geringen Zulassungszahlen bei E-Autos zeigen. "Obwohl die Politik die E-Mobilität seit Jahren trommelt, setzt sie sich in Wirklichkeit nicht durch", so Ernst.
 
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