Mercedes stampft weitere Modelle ein

Sparkurs trifft S-Klasse

Mercedes stampft weitere Modelle ein

Nach der X-Klasse trifft es auch Luxusmodelle und womöglich einen Kompakten.
Der deutsche Autobauer Daimler ( Mercedes  /  Smart ) ächzt unter Milliardenkosten und muss erneut einen drastischen Gewinneinbruch verkraften. Unter dem Strich blieben für 2019 gerade noch 2,4 Mrd. Euro übrig, teilte der Konzern am Dienstag in Stuttgart mit. 2018 war es noch dreimal so viel - und selbst da war das auf die Aktionäre entfallende Ergebnis schon heftig eingebrochen.

 

Mercedes stampft weitere Modelle ein

Konzern-Chef  Ola Källenius  (Bild) weitet  seinen radikalen Sparkurs  deshalb noch weiter aus. Außer den Personalkosten will Källenius auch die Materialkosten deutlich senken und zudem die Investitionen deckeln, die teure Modellpalette bei Mercedes ausdünnen und sich in den einzelnen Segmenten stärker auf die Fahrzeuge mit den höchsten Gewinnspannen konzentrieren. Das  Aus der X-Klasse  etwa, eines erst 2017 auf den Markt gebrachten, aber hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Pick-up-Modells, ist schon beschlossen (wir berichteten). Zu den weiteren Modellen die vor dem Aus stehen, sollen das  S-Klasse Cabrio und das S-Klasse Coupé  zählen. Darüber hinaus wird laut einem Bericht der ARD ("Börse vor 8") mit der  B-Klasse  auch ein Kompaktmodell hinterfragt. Hierzu sei aber noch keine finale Entscheidung gefallen. Die aktuelle B-Klasse, die sich  ohnehin gut verkauft , wurde erst vor einem Jahr eingeführt und dürfte diese Generation mit großer Wahrscheinlichkeit noch überleben. Doch ein Nachfolger steht offenbar in den Sternen. Die SUV-Modelle  GLA  und  GLB  stehen bei den Kunden derzeit deutlich höher im Kurs.
 

Hohe Kosten

Zwar konnte Daimler den Umsatz mit 172,7 Milliarden Euro noch leicht ausbauen - auch weil die Kernmarke Mercedes-Benz das Jahr  erneut mit einem Absatzrekord  abschloss. Hohe Kosten fressen aber einen Großteil gleich wieder auf. So muss Daimler nicht nur die Investitionen in den Anlauf der Elektroauto-Produktion und in die Entwicklung teurer Zukunftstechnologien schultern. Auch die Rechnung für die Altlasten aus der Dieselaffäre ist im vergangenen Jahr immer länger geworden. "Während unsere Ergebnisse im Jahr 2019 die weiterhin starke Nachfrage nach unseren attraktiven Produkten widerspiegeln, können wir mit dem Gewinn nicht zufrieden sein", räumte Vorstandschef Ola Källenius ein.
 
 

Jobabbau und geringere Dividende

Für die Mitarbeiter des Auto- und Lastwagenbauers sowie für die Aktionäre hat der Gewinneinbruch ebenfalls Folgen: Für die rund 130.000 Tarifbeschäftigten gibt es 2020 nur noch 597 Euro Ergebnisbeteiligung und eine einmalige Anerkennungsprämie von bis zu 500 Euro. Im Vorjahr war die Prämie noch bei 4.965 Euro gelegen. Außerdem kürzte Daimler seine Dividende drastischer als erwartet. Die Aktionäre sollen je Aktie für das abgelaufene Geschäftsjahr nur noch 90 Cent erhalten - nach 3,25 Euro das Jahr zuvor.
 
"Vor allem erhebliche Sonderbelastungen beeinträchtigten unsere Finanzergebnisse im vergangenen Jahr", betonte Källenius. Seit seinem Amtsantritt im Mai hatte der Schwede deshalb die Erwartungen schon mehrfach nach unten korrigiert und zudem im November ein Sparpaket auf den Weg gebracht, das unter anderem die Streichung Tausender Arbeitsplätze vorsieht und 2020 erste Effekte zeigen soll. So erwartet Daimler zwar kaum Veränderungen beim Umsatz, dafür aber eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses. Von seinen langfristigen Renditezielen bleibt der Konzern aber weit entfernt.
 
 

Mehrere Baustellen

Einem Absatzrekord im Pkw-Geschäft bei Mercedes-Benz mit rund 2,34 Millionen verkauften Autos im vergangenen Jahr steht bei Daimler nicht nur eine nachlassende Konjunktur im Lastwagengeschäft gegenüber. Der Konzern muss Milliarden investieren, um seine Elektroflotte auf die Straße zu bringen - vor allem, um die verschärften CO2-Grenzwerte einhalten und Strafzahlungen vermeiden zu können. Gleich beim ersten Modell  EQC sorgten Probleme  mit einem Bauteil aber dafür, dass zum Start nicht so viele Fahrzeuge ausgeliefert werden konnten wie geplant.
 
Auch die Entwicklung von Zukunftstechnologien wie dem automatisierten Fahren kostet trotz Partnerschaften mit anderen Branchenriesen wie BMW und Bosch Milliarden. Källenius hält an den Projekten fest. Besonders teure Visionen wie das "Robotaxi", die seiner Ansicht nach auf absehbare Zeit deutlich mehr Geld verschlingen werden, als sie einbringen können, hat der Schwede auf der Prioritätenliste aber weit nach hinten geschoben.
 
 

Dieselaffäre verschlingt Milliarden

Und dann sind da noch die Altlasten aus der Dieselaffäre. Für Rückrufe und Verfahren weltweit hatte Daimler schon im vergangenen Sommer rund 1,6 Mrd. Euro auf die Seite gelegt. Erst vor knapp drei Wochen hatte der Konzern dann aber einräumen müssen, dass die Rechnung noch mal länger wird - um knapp 1,4 Mrd. Euro. Betroffen sind vor allem die Autosparte und die Van-Abteilung. Bei Mercedes-Benz Pkw brach das operative Ergebnis um die Hälfte ein, die Vans häuften gar 3 Mrd. Euro Verlust an.
 
Die Behörden werfen Daimler vor, in diversen Diesel-Modellen eine unzulässige Abschalteinrichtung in die Steuerung der Abgasreinigung eingebaut zu haben. Der Konzern bestreitet das, hält sich aber an die Rückrufe und hat schon bei hunderttausenden Fahrzeugen Software-Updates installiert.
 

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