Abgas-Skandal: VW gefangen in der Krise

Affären-Chronologie

Abgas-Skandal: VW gefangen in der Krise

Die Chaostage dauern an: Sechs Monate VW-Krise, kein Ende in Sicht.

Der Abgas-Skandal hat Volkswagen in eine schwere Krise gestürzt. Und nun sind dem Mann, der für VW die Kohlen aus dem Feuer holen soll, auch noch die Hände gebunden. "Nein, ich bin noch nicht so weit", sagt Ken Feinberg. Der Staranwalt, der schon dem größten US-Autobauer General Motors im Skandal um defekte Zündschlösser aus der Patsche half, soll Volkswagens großer Schadensbegrenzer in der Affäre um manipulierte Abgaswerte sein - eigentlich.

Feinberg hat den Auftrag, Wiedergutmachung bei den zahlreichen "Dieselgate"-Geschädigten zu betreiben. Hunderte Fahrzeugbesitzer und Autohändler klagen gegen VW. Der Jurist soll außergerichtliche Vergleiche mit ihnen schließen - im Klartext: Geld bieten und das Klagerecht abkaufen. Dafür muss ein großer Entschädigungsfonds her.

Zähe Verhandlungen mit Umweltämtern
Doch auch fast drei Monate nach seiner Verpflichtung bleibt Feinberg vorerst ein Krisenhelfer im Wartestand. "VW hat noch kein finales Budget verabschiedet", erklärt der Anwalt. Das Hauptproblem seien die zähen Verhandlungen mit den Umweltämtern EPA und Carb über einen Plan zur Beseitigung der Betrugssoftware in Hunderttausenden vom Skandal betroffenen Dieseln. "Wir brauchen eine Einigung", sagt Feinberg.

Aber statt Fortschritten mit den US-Regulierern liefert VW nur weitere Negativschlagzeilen - die Chaostage nehmen auch ein halbes Jahr, nachdem die Abgas-Affäre ins Rollen kam, kein Ende. Während in Deutschland Vorstände unter Druck geraten und Nachrichten über einen Stellenabbau für Unruhe sorgen, eskaliert der Krisenherd USA weiter. Ein Ende ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten derzeit nicht absehbar. In Österreich ist die Rückrufaktion mittlerweile angelaufen .

Die bisherige Entwicklung im Überblick

3. September 2015: VW räumt hinter den Kulissen gegenüber der US-Umweltbehörde EPA Manipulationen bei Diesel-Abgastests ein.

18. September: Die EPA teilt mit, VW habe eine Software eingesetzt, um Test-Messungen des Schadstoffausstoßes künstlich zu drücken.

22. September: Der Konzern gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen für bevorstehende Umrüstungen an.

23. September: Rücktritt von Vorstandschef Martin Winterkorn.

25. September: Der VW-Aufsichtsrat beruft Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef und trifft weitere Personalentscheidungen.

28. September: Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen.

7. Oktober: Krisentreffen der Aufseher, VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch wird an die Spitze des Kontrollgremiums gewählt.

8. Oktober: Razzia bei VW. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ordnet Durchsuchungen in Wolfsburg und an anderen Orten an. VW-US-Chef Michael Horn muss dem Kongress in Washington Rede und Antwort stehen.

13. Oktober: Wegen der hohen Kosten für den Abgas-Skandal will VW eine Milliarde Euro weniger pro Jahr als bislang geplant investieren.

15. Oktober: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet den Pflichtrückruf aller VW-Dieselautos mit Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt.

28. Oktober: Der Skandal brockt dem Konzern im dritten Quartal einen Verlust vor Zinsen und Steuern von rund 3,5 Milliarden Euro ein.

3. November: VW teilt mit, dass es "Unregelmäßigkeiten" beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) gab. 800 000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Später gibt es teils Entwarnung: Es gehe um höchstens 36 000 Autos.

13. November: Trotz immenser Kosten des Skandals sagt VW-Markenchef Diess der dpa: "Ich sehe keine Bedrohung für die Stammbelegschaft."

20. November: Mit großen 3,0-Liter-Dieselmotoren in Modellen von VW, Audi und Porsche geraten noch mehr Autos ins Visier der US-Aufseher.

24. November: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft den Verdacht der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben.

2. Dezember: Auch der Zulieferer Bosch gerät unter Druck. In den USA gibt es eine Anklage wegen angeblicher Komplizenschaft im Fall VW.

4. Jänner 2016: Die US-Regierung reicht gegen VW Klage wegen des Einsatzes von Betrugssoftware und Klimaschutzgesetz-Verstößen ein.

11. Jänner: Bei der Automesse in Detroit kündigt VW-Chef Müller an, US-Kunden unter anderem mit Einkaufsgutscheinen zu entschädigen.

12. Jänner: Die kalifornische Umweltbehörde CARB lehnt einen Rückrufplan von Volkswagen ab und fordert Nachbesserungen.

13. Jänner: Spitzentreffen von Müller mit EPA-Chefin Gina McCarthy.

25. Jänner: VW-Betriebsboss Bernd Osterloh kritisiert die Führungsqualitäten und das Sparkonzept von Markenchef Herbert Diess.

27. Jänner: Frühstart beim Rückruf in Deutschland: Trotz fehlender Genehmigung des KBA werden schon erste Amarok-Modelle umgerüstet.

5. Februar: VW verschiebt seine Jahresbilanz und Hauptversammlung. Dafür werden später der 28. April und der 22. Juni genannt.

2. März: Erster deutscher Prozess um Schadenersatz in Bochum. VW muss aus Sicht des Landgerichts manipulierte Autos nicht zurücknehmen.

7. März: Zu Klagen von Anlegern lehnt VW Schuldzuweisungen an die frühere Spitze um Ex-Chef Winterkorn ab. Aufsichtsrat Wolfgang Porsche fordert im dpa-Gespräch eine neue Gesprächskultur bei VW.

8. März: Im internen Teil einer Betriebsversammlung gibt es erneut massive Kritik an Diess aus dem Betriebsrat. Konzernkreisen zufolge sollen bis Ende 2017 über 3.000 Verwaltungsstellen bei VW wegfallen.

9. März: Laut Medienberichten hat das US-Justizministerium seine Untersuchungen auf den Verdacht des Bankbetrugs und mögliche Verstöße gegen Steuergesetze bei VW ausgedehnt. US-Chef Michael Horn tritt ab.