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Alkolocks kommen

"Alkolock"-Pilotprojekt startet in Österreich

Nun werden die im Fahrzeug verbauten Alkohol-Wegfahrsperren, oder kurz "Alkolocks", auch in Österreich getestet. Manche Auto-Hersteller bieten die technischen Aufpasser bereits jetzt in ihren Fahrzeugen an. 

Geht es nach dem Verkehrsministerium soll mit sogenannten "Alkolocks" (siehe Bild oben) in Zukunft auch bei uns verhindert werden, dass betrunkene Lenker ein Fahrzeug in Betrieb nehmen. Ein Pilotprojekt dazu soll in Österreich im Spätsommer starten. Derzeit definiere man die Zielgruppen, an denen das System erprobt werden soll. Angedacht sind Lkw-Fahrer bzw. Lenker mit hoher Verantwortung wie Schulbusfahrer und "Wiederholungstäter", die bereits eine Vormerkung wegen Alkohols am Steuer haben.

Funktionsweise
Alkohol-Wegfahrsperren, oder kurz "Alkolocks", funktionieren auf Basis eines Atemtests. Ein elektronischer Sensor misst den Alkoholgehalt der Atemluft und kann gegebenenfalls die Zündung eines Fahrzeuges verhindern. In Schweden sind diese Vorrichtungen bereits gang und gäbe. Volvo zählte hier mit seinem System zu den absoluten Vorreitern. In den USA (siehe unten) ist man in einigen Staaten noch einen Schritt weiter.


Projekt ist erstmals freiwillig
Das in Österreich geplante Pilotprojekt basiert auf Freiwilligkeit. Für die Pilotphase haben sich laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) die zwei genannten Lenkergruppen herauskristallisiert. "Lkw-Lenker und Busfahrer deshalb, weil sie viel Verantwortung haben und ein Unfall mit großem Risiko verbunden ist", sagte Klaus Robatsch vom KfV. Die "Rehabilitationsgruppe", also Autofahrer, die wiederholt alkoholisiert am Steuer erwischt wurden, wolle man durch Anreize gewinnen. Etwa indem man den Lenkern anbietet, die Führerscheinentzugsdauer z.B. von zehn auf fünf Monate zu reduzieren, wenn sie sich im Gegenzug dafür ein Alkolock-Gerät ins Auto einbauen lassen.

Von der Wirksamkeit der Methode ist man beim KfV überzeugt. Je länger man die Verbindung Autofahren und Alkohol trennen kann, umso höher ist der Gewohnheitseffekt und der Lenker setzt sich nicht so schnell wieder betrunken ans Steuer. Untersuchungen aus den USA würden das belegen, sagte Robatsch.

Einige Fragen sind noch zu klären
Offen sei derzeit noch die Finanzierung des Projektes und die Größe der Gruppe. "Wir gehen sehr offen an das Thema heran", sagte Susanna Enk, Sprecherin von Verkehrsministerin Doris Bures (S). Die Teilnehmerzahl hänge laut Robatsch auch von der Dauer des Projektes ab, weil die Lenker während dieser Phase begleitet und betreut werden müssen. Unbeantwortet blieb noch die Frage nach dem Hersteller, dessen Geräte man in der mindestens einjährigen Pilotphase testen wolle. "Da sind wir gerade dabei, das auszuloten", sagte Robatsch. Der Markt dafür sei aber recht klein. Alkolock-Geräte gebe es etwa von Volvo oder Dräger.
 

USA als Vorreiter
Sensorische Wegfahrsperren für alkoholisierte Lenker werden bereits in mehreren EU-Ländern erprobt. Pilotprojekte laufen derzeit etwa in Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Frankreich und Schweden. Erste Erfahrungen aus dem EU-Projekt "Supreme" versprechen eine Verringerung der Rückfallquote bei Alkolenkern um 40 bis 95 Prozent. In den USA und Kanada habe man diese Art der Wegfahrsperren in mehreren Staaten bereits gesetzlich verankert.

Skepsis
Die Diskussion um Alkolocks in Österreich sorgte im Herbst vergangenen Jahres zu teils skeptischen Reaktionen bei Interessensvertretern und Verkehrsexperten. Die Systeme seien leicht auszutricksen, ein langfristiger Lerneffekt bei Alkolenkern wurde bezweifelt. Positiv dem Projekt gegenüber stehen die Transporteure. "Bei Lkw-Lenkern gilt ohnehin 0,0 Promille. Die Praxis zeigt aber, dass es immer wieder Zwischenfälle mit betrunkenen Lenkern gibt", sagte Peter Tropper vom Fachverband Güterbeförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Wir können uns eine Beteiligung daran absolut vorstellen."