Autokonzerne setzen auf Fahrdienste

Mytaxi fusioniert mit Hailo

Autokonzerne setzen auf Fahrdienste

Daimler-Tochter fusioniert mit Konkurrent zu Europas größtem Taxi-Netzwerk.

Zumindest in den großen Städten gehört die App von Mytaxi längst zum Alltag vieler Taxi-Kunden - auch in Wien. Nun kauft sich die Daimler-Tochter neue Märkte in Europa und festigt den Stand des Autoherstellers ( Mercedes / Smart ) in dem neuen Geschäft. Mit car2go hat der Konzern bereits einen erfolgreichen Carsharing-Anbieter unter seinen Fittichen. Dank der aktuellen Fusion können Mytaxi-Kunden in Zukunft auch in Großbritannien und Irland ein Taxi mit ihrer App rufen. Am Dienstag hatte die Daimler-Tochter den Deal mit der britischen Taxi-App Hailo angekündigt. Es ist der erste größere Zusammenschluss zwischen solchen Web-Fahrdiensten.

Autohersteller im Kaufrausch

Die Firmen sind derzeit hochattraktiv. Autohersteller auf der ganzen Welt versuchen, sich Anteile zu sichern. Daimler hatte Mytaxi schon 2014 übernommen. Erst Anfang des Jahres steckte die Opel-Mutter General Motors (GM) 500 Millionen Dollar (455 Mio. Euro) in den Uber-Konkurrenten Lyft . VW beteiligte sich ebenfalls dieses Jahr mit 300 Millionen Dollar am Mitfahrdienst Gett . Toyota übernahm unterdessen gleich Anteile am Mitfahrdienst Uber . Kurz davor machte der iPhone-Konzern Apple, dem in Medienberichten hartnäckig Ambitionen im Autogeschäft nachgesagt werden, eine Milliarde Dollar für Anteile an der chinesischen Taxi-App Didi Chuxing locker , die sich einen erbitterten Konkurrenzkampf mit Uber liefert.

Für die Autobauer sei das Thema strategisch wichtig, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut an der Uni Duisburg Essen. "Wer nicht in dem Geschäft ist, hat ein großes Risiko in 10 Jahren zu den Verlieren unter den Autobauern zu gehören", sagte Dudenhöffer. Allerdings sei Mytaxi international im Gegensatz zu Uber Dixi oder Lyft wenig verbreitet. Mit dem Zusammenschluss mit Hailo ändere sich das. Mitfahrdienste seien aus dem Geschäft mit der Mobilität nicht mehr wegzudenken. "Der größte Chinese Didi Chuxing hat mittlerweile in China mehr als 300 Millionen Nutzer und im Jahre 2015 mehr als 1,4 Milliarden Kundenfahrten durchgeführt", sagt der Autoexperte.

Reaktion auf härteren Wettbewerb

Mit dem Londoner Taxi-App-Anbieter Hailo wappne man sich auch gegen den wachsenden Wettbewerb unter den Fahrdiensten in Europa, sagte ein Mytaxi-Sprecher. Hailo wurde 2011 gegründet und von prominenten Investoren wie dem Virgin-Gründer Sir Richard Branson mit insgesamt über 100 Millionen Dollar finanziert. Das neue Unternehmen soll unter der Marke "Mytaxi" operieren. Bei dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen fließt kein Bargeld. Der Deal wird alleine durch den Austausch von Firmenanteilen finanziert.

Der Dienst ist bisher in Großbritannien, Irland und Spanien aktiv. Mytaxi operiert in Deutschland, Österreich, Italien, Polen, Portugal, Spanien und Schweden. Die Dienste sollen dem Sprecher zufolge schon im Herbst in Spanien zusammengeschlossen werden, dann folgen Großbritannien und schließlich Irland. Mitte 2017 soll es nur noch die Mytaxi-App geben. Das neue Unternehmen verfüge damit über rund 100.000 Taxi-Fahrer als Vertragspartner und sei in über 50 Städten in neun Ländern aktiv. Hailo bot seinen Dienst auch eine Zeit lang in den USA an, konnte aber im Wettbewerb mit Uber und Lyft nicht bestehen und zog sich 2014 zurück.