Das kosten Verkehrsdelikte in Nachbarländern

Urlaubsfahrt kann teuer werden

Das kosten Verkehrsdelikte in Nachbarländern

Vorsicht bei der Urlaubsfahrt: Im EU-Ausland sind hohe Geldstrafen und sogar Festnahme möglich.

Dank den stetig sinkenden Infektionszahlen der letzten Wochen hat sich die kritische Coronasituation in vielen Ländern Europas merklich entspannt. Das passt natürlich gut zum Start der Urlaubssaison. Denn so konnten auch die Reisebestimmungen weitreichend gelockert werden. Viele Österreicher planen deshalb auch eine Fahrt in den Urlaub per Auto. Doch wer dort zu schnell unterwegs ist, während der Fahrt telefoniert, eine rote Ampel "überfährt" oder falsch parkt, kann böse überrascht werden – es drohen teils hohe Geldstrafen, Kfz-Enteignung und Freiheitsentzug. 

Ausländische Strafen für verschiedene Delikte

Es ist also ratsam, sich bereits vor dem Start in den Urlaub über die vor Ort geltenden Verkehrsbestimmungen zu informieren. Der ÖAMTC hat sich die Situation nun ganz genau angesehen und einen Überblick über die Strafhöhen in unseren Nachbarländern zusammengestellt. "Was in der Heimat tabu ist, sollte es jedenfalls auch im Ausland sein", rät ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. Sie betont: "Reisende sollten sich im Sinne der Verkehrssicherheit unbedingt an die örtlichen Regeln halten." 

  • Alkohol am Steuer: "Bei Fahrten unter Alkoholeinfluss drohen drastische Folgen", warnt die Expertin des Mobilitätsclubs. "In Italien wird bei einer Alkoholisierung des Fahrers von mindestens 1,5 Promille sogar das Fahrzeug beschlagnahmt – sofern Fahrer und Eigentümer identisch sind." Wer in Spanien mit 1,2 Promille lenkt, dem drohen drei Monate Freiheitsstrafe. Generell drohen bei Überschreitung der (meist 0,5) Promillegrenze hohe Geldstrafen – so sind es in Deutschland, Italien und Spanien 500 Euro aufwärts.
  • Ohne Gurt: Wer den Gurt nicht anlegt, muss in Spanien mit einer Strafe ab 200 Euro rechnen. In Griechenland kostet der fehlende Gurt sogar 350 Euro.
  • Telefonieren am Steuer: "Wer während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, muss mit saftigen Strafen rechnen. So sind in Frankreich mindestens 135, in Italien 165 Euro und in Spanien mindestens 200 Euro fällig", weiß die Juristin.
  • Überhöhte Geschwindigkeit: Auch für Verstöße gegen Tempolimits muss man tief ins Börserl greifen. Überschreitungen von 20 km/h kosten in Italien mindestens 175 Euro (nachts sogar nochmal ein Drittel mehr) und in der Schweiz umgerechnet ab 165 Euro.
  • Rotlichtverstoß: Der Strafrahmen für das "Überfahren" einer roten Ampel reicht in Deutschland von 90 bis 360 Euro. In Slowenien kostet das Delikt 300 Euro und in der Schweiz umgerechnet rund 225 Euro.
  • Falschparken: "Wer sein Fahrzeug nicht ordnungsgemäß parkt, kommt in einigen Ländern nicht billig davon. Fürs Falschparken wird man in Spanien mit bis zu 200 Euro gestraft, in Ungarn bis rund 275 Euro", erklärt die ÖAMTC-Expertin. "Nicht nur Parken an unerlaubter Stelle, sondern auch ohne Ticket kann teuer werden: Nach wie vor erhalten Club-Mitglieder Forderungen über ca. 200 Euro, weil sie vor Jahren ohne Ticket in Kroatien geparkt haben. Daher: Unbedingt vor Ort informieren."

 

Wer Strafe rasch bezahlt, kann sparen

"Ist ein Verstoß geschehen, kommt man 'am günstigsten' davon, wenn man die Strafe gleich vor Ort zahlt oder so schnell wie möglich überweist", sagt die Juristin. In manchen Ländern werden bei rascher Bezahlung erhebliche Rabatte gewährt: So werde z. B. in Spanien bei Bezahlung der Strafe innerhalb von 20 Tagen nur der halbe Betrag fällig. In Italien sei ein Nachlass von 30 Prozent bei Begleichung binnen fünf Tagen möglich – wird die Strafe hingegen nicht binnen 60 Tagen bezahlt, verdoppelt sich der zu zahlende Betrag.

Offene Strafen aus dem EU-Ausland können in Österreich zwangsweise eingetrieben werden. "Verkehrssicherheitsrelevante Verstöße werden aufgrund eines optimierten Halterdatenaustauschs innerhalb der EU effektiver verfolgt. Daher sollten ausländische Strafzettel keinesfalls ignoriert werden", rät Pronebner. Auch bei der Wiedereinreise in das Urlaubsland sei die Einforderung der Strafe möglich.