Bild: AP

Der Niedergang einer einstigen Ikone

Das Aus für die Geländewagenmarke Hummer

Nach dem geplatzten Verkauf stellt GM die Produktion der spritschluckenden Straßendinosaurier endgültig ein. Mit Hummer wird eine amerikanische Auto-Ikone zu Grabe getragen.

Protzig, durstig, unverkäuflich: Der Geländewagen Hummer von General Motors (GM) gilt als Sinnbild für automobile Prunksucht und hohen Spritverbrauch. Zwei Jahre versuchte die Opel-Mutter vergeblich ihr Riesenauto abzustoßen. Nach dem geplatzten Verkauf an einen chinesischen Konzern gibt GM das Monster-Auto nun endgültig auf. "Die Akzeptanz solcher Fahrzeuge ist in den vergangenen Jahren so stark gesunken, dass es für sie global kein Marktpotenzial mehr gibt", sagt Auto-Experte Willi Diez von der Universität Nürtingen. "Großes Auto, großer Geldbeutel, große Macht - diese Einstellung ist in den meisten Länder passé." Fans der Marke sehen das natürlich anders, und werden die Entscheidung von GM nicht verstehen.

Neue Prioritäten bei den Käufern
Der Untergang des Hummer ist das Paradebeispiel dafür, wie rasant sich die Vorlieben von Autofahrern verändert haben. Noch vor wenigen Jahren genoss das Fahrzeug, das GM 1999 vom Militär-Fahrzeug-Hersteller AM General kaufte, Kultstatus. Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger, aber auch deutsche Schauspieler und Musiker drehten im Hummer ihre Runden. Die "New York Times" druckte Liebesbekundungen von Hummer-Fans ab. "Ich fühle mich wie ein Kino-Star. Junge Frauen und Teenager jubeln mir zu", freute sich ein 65-jähriger Käufer. "Es ist, als würde ich mir ein Superman-Outfit überziehen", erklärte das Mitglied eins Hummer-Fan-Clubs. "So kann ich meine Familie beschützen", sagte eine Mutter. "Wenn mich jemand rammt, ist er tot."
 

Heute lesen sich diese Aussagen wie Zitate aus einer fernen Vergangenheit. Statt Jubel ernten Hummer-Fahrer heute vor allem vorwurfsvolle Blicke. Warum fahren sie mit Off-road-Fahrzeugen über gut ausgebaute Straßen und durch enge Innenstädte? Ist es verantwortbar, in Zeiten von globaler Erwärmung ein Panzer-ähnliches Gefährt zu bewegen, das auf 100 Kilometer zum Teil mehr als 25 Liter schluckt? Und kann man sich das bei den aktuellen Spritpreisen überhaupt noch leisten?
 

Enormer Absatzeinbruch
Diese Fragen beantworteten in den vergangenen zwei Jahren immer mehr Menschen mit Nein. Der Hummer-Absatz brach von fast 56.000 im Jahr 2007 auf rund 9.000 Fahrzeuge im vergangenen Jahr ein. Angesichts dieser Entwicklung waren die Reaktionen eher verhalten, als GM sein Sorgenkind im Sommer 2008 offiziell auf die Verkaufsliste setzte. Gerüchte, ein russischer Oligarch oder ein arabischer Scheich könnte sich den Hummer als prunkvolle Trophäe zulegen, erwiesen sich als falsch.
 

Chinesische Regierung hat den geplanten Kauf verboten
In der Nacht auf Donnerstag platzte nun auch der angepeilte Verkauf an den weitgehend unbekannten chinesischen Maschinenhersteller Tengzhong, weil die Behörden ihre Zustimmung zu dem Geschäft verweigert hatte. Die Führung in Peking habe der kleinen und international unerfahrenen Firma nicht zugetraut, Hummer wieder zurück auf die Erfolgsweg zu führen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen. Außerdem habe China mit seinem Veto ein Zeichen setzen wollen: Die heimischen Autobauer sollen lieber umweltfreundliche Autos produzieren statt große amerikanische Spritschlucker.
(Quelle: Reuters)