Ferrari-Boss Montezemolo tritt zurück

Italien

Ferrari-Boss Montezemolo tritt zurück

Wechsel in Maranello nach 23 Jahren: Fiat-Chef übernimmt das Steuer.

Bei Ferrari geht eine Epoche zu Ende. Nach 23 Jahren an der Spitze des italienischen Sportwagenherstellers trennt sich der Konzern aus Maranello vom Firmenpräsident Luca Cordero di Montezemolo. Als neuer Ferrari-Präsident rückt der CEO des Mutterkonzerns Fiat Chrysler, Sergio Marchionne, nach.

Der 67-jährige Montezemolo, der seinen Angaben zufolge "freiwillig" das Amt niederlegte, wird am 13. Oktober nach den Feierlichkeiten für das 60-Jahr-Jubiläum von Ferraris Start in den USA den Konzern verlassen, teilte Ferrari am Mittwoch mit. "Ferrari ist der beste Konzern der Welt und für mich war es ein Privileg und eine Ehre, diesen Konzern zu führen. Zusammen mit meiner Familie ist Ferrari das Wichtigste in meinem Leben. Ich wünsche den Aktionären und den Mitarbeitern viele Jahre Erfolg, den Ferrari voll verdient", so Montezemolo in seinem Abschiedsschreiben. Für 14 Uhr ist eine gemeinsame Pressekonferenz des alten und des neuen Ferrari-Chefs angesetzt.

F1-Pleite gab den Ausschlag

Marchionne gab Meinungsverschiedenheiten mit Montezemolo über die Führung des Formel-1-Rennstalls zu, dessen Leistungen in dieser Saison Fiat zutiefst enttäuscht hatten. Die letzte Pleite Ferraris beim Großen Preis von Monza am Sonntag brachte das Fass zum Überlaufen. Die wirtschaftlichen Ergebnisse Montezemolos als Unternehmer seien sehr gut, hatte Marchionne am Sonntag erklärt, aber im Fall von Ferrari müsse man auch die sportlichen Ergebnisse berücksichtigen. "Seit sechs Jahren gewinnen wir nicht mehr", hatte Marchionne geklagt. Den letzten Großen Preis hatte Ferrari 2007 mit dem finnischen Piloten Kimi Räikkönen erobert.

Nach Marchionnes Worten war es klar geworden, dass der Bruch bei Ferrari unvermeidbar geworden ist. Kürzlich hatte Montezemolo vor der Gefahr gewarnt, dass Ferrari im Zuge der Fusion Fiats mit Chrysler "amerikanisch" werde und seine Selbstständigkeit verlieren könnte. "Eine Ära geht bei Ferrari zu Ende, eine neue beginnt unter dem Stern von Fiat-Boss Marchionne, der nach der besiegelten Fusion mit dem US-Partner Chrysler jetzt auch in Maranello das Sagen haben wird", kommentierte die Turiner Tageszeitung "La Stampa", die Fiat nahe steht.

Montezemolo wird nach der für ihn schmerzhaften Trennung von Ferrari nicht arbeitslos bleiben. Ihm winkt eine neue Rolle als Sanierer der verschuldeten Airline Alitalia, die nach dem Einstieg der arabischen Airline Etihad auf eine bessere Zukunft hofft. "Angesichts seiner Erfahrung wäre Montezemolo ein guter Kandidat für Alitalias Führung", kommentierte Federico Ghizzoni, CEO der Bank-Austria-Mutter UniCredit, die zu den Hauptaktionären Alitalias zählt.

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