Heimischer Autohandel kennt (noch) keine Krise

Erfolg für Porsche Holding

Heimischer Autohandel kennt (noch) keine Krise

Schon jetzt wurde das bisherige Rekordjahr 2010 überflügelt.

Die Porsche Holding - mit 14 Mrd. Euro Umsatz und 21.400 Mitarbeitern der größte private Autohändler in Europa - ist trotz der gedämpften Konjunkturprognosen optimistisch für kommendes Jahr. "Für 2012 spüren wir im aktuellen Auftragseingang nichts vom Krisengejammere", sagte der Ende 2011 scheidende Vorstandssprecher Wolf-Dieter Hellmaier, dem der bisherige VW-Vertriebschef Alain Favey nachfolgt, am Dienstag in Wien. Seit März gehört die Salzburger Porsche Holding zum VW-Konzern, der den früheren Eigentümerfamilien Piech und Porsche dafür brutto 3,3 Mrd. Euro gezahlt hat. Bis November steigerten die Konzernmarken (VW, Audi, Seat, Skoda, Porsche) heuer ihren Anteil am Pkw-Neuwagenmarkt in Österreich von 32,4 auf 34,0 Prozent, wobei alle vier Marken unter den Top-10 rangieren, vor allen anderen VW mit 17,8 (16,6) Prozent.

Für 2012 optimistisch
Auch wenn der heimische Neuwagenmarkt 2012 mit 320.000 bis 330.000 wieder auf das Niveau von 2010 zurückfallen dürfte, wie Hellmaier annimmt, bestehe "für uns kein Grund zu jammern". Zuwächse gebe es durch den Anstieg der Single-Haushalte, wobei die über 60-Jährigen die dynamischste Käuferschicht seien, sowie das Bevölkerungswachstum.

Über 350.000 Neuzulasungen
Für heuer erwartet Hellmaier 354.000 Pkw-Neuzulassungen in Österreich, ein Plus von rund 8 Prozent, obwohl schon 2010 ein Rekordjahr gewesen sei. Bis November hat der Anstieg ebenfalls 8 Prozent auf 332.787 Stück ausgemacht, wie seit Montag bekannt ist. Gründe für das starke Plus sind das sehr gute Investitions- und Konsumklima vor allem im ersten Halbjahr, die hohen Sparguthaben, der Umstieg auf verbrauchsärmere Autos und die Incentives der Branche.

Kritische Worte für Kurzzulassungen
Kritik übte der Porsche-Holding-Vorstandssprecher an jenen Kurzzulassungen - vor allem Tageszulassungen -, bei denen die Fahrzeuge danach nicht in Österreich verbleiben, sondern ins Ausland weitergehen. Bis Oktober habe der Anteil der Kurzzulassungen (0-90 Tage) 22 Prozent des Neuwagenmarktes betragen, das seien Vorführ-, Ersatz- und Leihwagen, aber auch "taktische" Tageszulassungen (0 bis 7 Tage), die bereits auf 7,7 Prozent des Gesamtmarktes kämen. Besonders hoch seien die Anteile bei Hyundai (27 Prozent), Ford (knapp 24), Citroen (unter 20) sowie Renault (17 Prozent), dagegen seien es bei VW lediglich 0,9 Prozent und bei Audi 0,5 Prozent.

Einschätzungen für Westeuropa
Zu Prognosen des deutschen Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer, wonach Westeuropa 2012 mit fünf Prozent Minus und dem schlechtesten Autoabsatz seit 18 Jahren zu kämpfen haben werde, verwies Hellmaier darauf, dass schon heuer in den Krisenländern Rückgänge zu verzeichnen seien. In Italien und Spanien etwa gebe es teils zweistellige Einbrüche, Finnland und die Niederlande würden stagnieren, Deutschland und Österreich dagegen wachsen. Einen Preisdruck durch Überkapazitäten, wie ihn der "Autopapst" ebenfalls vorhersagt, sieht der VW-Händler-Chef nicht: "Wir haben keine Überkapazitäten. Wir haben auch in Westeuropa keine Fabriken neu aufgebaut, sondern in China und Mexiko. Wir haben das Problem nicht."