Kein Schadenersatz für VW-Kunden in Europa

VW-Chef bleibt dabei

Kein Schadenersatz für VW-Kunden in Europa

Damit gehen auch heimische Betroffene des Diesel-Skandals leer aus.

Während der VW -Konzern in den USA für den Diesel-Skandal knapp 14 Mrd. Euro an Schadenersatz bezahlt, wird es in Europa keine finanzielle Wiedergutmachung für die Dieselbesitzer geben, bekräftigte VW-Konzernchef Matthias Müller (Bild) beim Wiener Motorensymposium.

"Das ist ein systemrelevantes Unternehmen. Es ist meine Aufgabenstellung, dafür zu sorgen, dass es so bleibt, und ich werde nichts tun, das die gesetzlichen Rahmenbedingungen außer Acht lässt und das Unternehmen gefährdet", so seine Begründung. Er räumte aber ein, dass VW einen "gehörigen Beitrag" geleistet habe, dass der Diesel in Misskredit kam.

Zu der Forderung nach einer Aufrüstung der Fahrzeuge auf VW-Kosten, da Fahrverbote in den Großstädten drohten, meinte er: "Das ist eine Mischung aus Wahlkampf, Unwissenheit und Wichtigtuerei." Hintergrund dazu: Derzeit denkt die deutsche Millionenstadt Stuttgart über ein zeitlich beschränktes Dieselfahrverbot (Ausnahme: neueste Fahrzeuge der Schadstoffklasse 6) nach.

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Plädoyer für den Diesel

Am Diesel halte VW jedenfalls fest. "Der Verbrennungsmotor, auch der Diesel, hat noch Potenzial. Aber immer sauberere Verbrennungsmotoren werden in ihrer Herstellung immer teurer und E-Mobilität wird immer günstiger werden. Irgendwann gibt es dann diesen Wendepunkt. Wenn wir künftig Elektroautos auf Basis unserer modularen Elektrifizierungsbaukästen bauen, werden wir sie zum Preis eines Diesels anbieten können. Ein Golf wird dann elektrifiziert etwa genauso viel kosten wie der entsprechende Diesel", wird Müller zitiert.

Bei der von der Politik gehypten E-Mobilität sieht Müller kein Arbeitsplatzproblem, dass durch die weit weniger komplexen Elektromotoren entstehen könnte. "Ein E-Auto hat eine Wertschöpfung von rund 70 Prozent eines Autos mit Verbrennungsmotor. Und wenn die Industrie 4.0-mal so richtig etabliert ist, wird sich der Wertschöpfungsanteil auf 40 bis 50 Prozent reduzieren. Nur ich habe keine Angst um die Arbeitsplätze, es wird eine vergleichbare Anzahl benötigen, nur eben mit anderen Aufgabenstellungen. Weil die menschenähnlichen Roboter muss ja auch jemand anlernen, programmieren und pflegen", so der Konzernchef.

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Mobilitätsdienstleistungen immer wichtiger

Seine Vision für die Zukunft? "Wir nehmen an, dass wir bis 2025 ein Drittel des Umsatzes mit Mobilitätsdienstleistungen machen könnten. Die Frage ist dabei immer, inwieweit sind solche Services als Geschäftsmodelle abbildbar. Ich glaube, dass individuelle Mobilität teurer werden wird, was übrigens immer so war", betonte er in Wien am Rande des diesjährigen Motorensymposiums.

Und er zeichnet eine Modellpolitik mit unterschiedlichen regionalen Qualitätsstandards vor: "Unter der Ägide meines Vorgängers Martin Winterkorn wurden für einen A8 für Deutschland oder Österreich die gleichen Maßstäbe angelegt wie für einen Polo in Indien. Das muss nicht sein. Da kann man auch mit einer 80-Prozent-Lösung leben. Natürlich ohne Kompromisse bei der Sicherheit."

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