Kommt nun der nötige Schub für E-Autos?

Österreich-Plattform

Kommt nun der nötige Schub für E-Autos?

Flächendeckendes Lade-Netz mit 80 Stationen bis Mitte 2014 geplant.

Derzeit sind in Österreich erst 2.500 Elektroautos unterwegs, bis zum Jahr 2020 könnte es eine sechsstellige Zahl sein - wenn die "Rahmenbedingungen" wie Kosten, Infrastruktur und Steuerzuckerln passen. Damit bei Stromfahrzeugen der Funke rascher auf die Kunden überspringt, startet das E-Mobility-Joint-Venture von Verbund und Siemens jetzt unter der Marke "Smatrics" neu durch. Als erster möchte der - auch für andere Unternehmen offene - Anbieter österreichweit eine flächendeckende Lade-Infrastruktur mit 100 Prozent Wasserkraft-Strom aufbauen, zunächst 30 Stationen, bis Mitte 2014 aber bereits 80. Obwohl der Siemens-Gesamtkonzern erst diese Woche den Abschied aus dem Bereich "öffentliche Stromtankstellen" bestätigte, bleibt die Österreich-Tochter hier als Software-Lieferant und Dienstleister mit an Bord, wie Generaldirektor Wolfgang Hesoun in einem Pressegespräch Ende dieser Woche mit Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber erklärte.

Keine Siemens-Eigeninitiative
Diese E-Mobility-Plattform sei nie dazu gedacht gewesen, nur Siemens-Produkte unterzubringen, "das stand nicht im Mittelpunkt". Die industrielle Dimension sei da nicht wirklich nötig, weil die Technologie erfunden "und wir dabei nicht immer die Günstigsten" sind, so Hesoun. Die Konzern-Strategie sage lediglich, dass man nicht mehr Gesamtladesäulen als Produkt anbieten wolle, aber durchaus diverse Dienstleistungen rundherum. "Die Ladesäule ist nur ein Teil - und von Siemens wird die Software drin sein", sagte der Österreich-Chef: Wie der Verbund wolle auch Siemens eine breite Provider-Lösung bei der Plattform. Dem pflichtete Anzengruber bei: "Das ist keine exklusive Veranstaltung von Verbund oder Siemens. Ich gehe davon aus, dass bei Smatrics auch andere Partner dazukommen."

Smatrics-Geschäftsführer Michael Viktor Fischer sieht das Thema E-Mobilität vor allem durch die EU-Vorgaben getrieben. Laut einer Verordnung von 2008 muss der Kfz-Flottenverbrauch bis 2020 in Summe bei maximal 3,8 Litern pro 100 km bzw. bei 95 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer liegen - "und das geht nur mit alternativen Antrieben". Derzeit würden in Österreich erst 13, 14 Elektro- bzw. Hybrid-Fahrzeugmodelle angeboten, bis 2013/14 würden aber schon 40 am Markt sein, bis 2015 dann 60 und bis 2016 sogar 80 Modelle. Großes Thema sind E-Autos auch auf der weltgrößten Autoschau IAA kommende Woche in Frankfurt, deshalb habe man jetzt den Smatrics-Relaunch vorgenommen.

Lade-Infrastruktur soll schnell ausgebaut werden
Das Netz an öffentlichen Ladestationen soll - ausgehend von den ersten 30 Spots als Basis - rasch erweitert werden und zwar primär entlang der Hauptverkehrsrouten und in den Ballungsräumen. Als "Willkommensangebot" bietet man zwei der drei Pakete zu Diskont-Preisen von 9,90 Euro monatlich an ("public" mit öffentlichem Laden sowie "home & public"), bei denen man laut Fischer so viel Strom herunterladen kann wie man möchte. Auf Dauer werde dieses Niveau natürlich nicht zu halten sein, räumt auch der Smatrics-Geschäftsführer ein - später werde man "auf realistischere Preise kommen müssen". Das High-End-Paket "home & public complete", gedacht etwa für Vielnutzer wie Firmenflotten, kostet gleich von Anfang an 99 Euro.

Da sich noch kein einzelner Stecker-Standard für die E-Zapfsäulen durchgesetzt hat, wird Smatrics zunächst beide gängigen Modelle anbieten: einerseits den standardisierten Typ-II-Stecker für normale AC-Wechselstrom 22-kW-Ladestationen, der kein Problem darstelle, andererseits aber bei den fürs Schnellladen gedachten 50-kW-Anschlüssen beide gebräuchliche Ausführungen. Schon 2014 wollen die deutschen Autobauer jedoch laut Fischer bereits mit einem Kombistecker kommen.

Politik gefordert
Von der Politik erhofft sich Smatrics eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen für Elektro-Autos, etwa steuerliche Anreize für Firmenkunden (zeitlich begrenzten Vorsteuerabzug), aber auch private Abnehmer (Anrechnung bei Einkommensteuer). An sich seien die Signale aus der Politik positiv, so Fischer, aber am 29. September werde gewählt und danach die Karten neu gemischt. Jeder wisse jedoch, dass es - auch im Hinblick auf die Feinstaub- und Lärmbelastung - in Richtung E-Mobilität gehen müsse.

In Europa gehe heute ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs in den Verkehr - und der Verkehr selbst basiere zu 90 Prozent auf Erdöl bzw. entfielen 70 Prozent des verbrauchten Öls auf den Verkehrssektor, rechnete Verbund-Chef Anzengruber vor: "Wir bringen die Wasserkraft auf die Straße - und die Energiewende geht nur unter Inkludierung des Verkehrs."

Die heimische Regierung wolle bis zum Jahr 2020 in Österreich 250.000 Strom-Fahrzeuge auf der Straße sehen, das sei durchaus ein "ambitioniertes Ziel", das bei entsprechenden Voraussetzungen aber doch noch erreichbar sei, meinte der Smatrics-Geschäftsführer. Dasselbe gelte für die vor drei Jahren vom Umweltbundesamt (UBA) für 2020 prognostizierten 209.000 E-Autos - "derzeit sehe ich das aber nicht als realistisch an", räumte Fischer ein.

Mehrere Vertriebspartner
Die Plattform E-Mobility Provider Austria selbst soll in drei bis vier Jahren den Break-even geschafft haben. Als Vertriebspartner für die "Rundum-Sorglos-Pakete" greift man neben B2B auch auf den Fahrzeughandel, die Autoimporteure, die Leasinggesellschaften und Autovermieter zurück, zum Beispiel Europcar.

Fotos: Serienversion des BMW i3

Diashow: Fotos von der Serienversion des BMW i3

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