Roboter-Autos: Österreich übernimmt Führungsrolle

Testumgebung in Graz

Roboter-Autos: Österreich übernimmt Führungsrolle

Steiermark bekommt Europas vielfältigstes Testfeld für autonomes Fahren.

Österreich drückt beim autonomen Fahren aufs Tempo. Nachdem Ende 2016 die ersten Testfahrten (u.a. auf der A2) gestartet sind , folgt nun der nächste Schritt: In der Steiermark entsteht Europas vielfältigste Testumgebung für selbstfahrende Autos. Unter dem Titel "ALP.Lab" bündeln dort Forschungseinrichtungen und Industriebetriebe aus dem steirischen Automobilcluster ihre Kompetenzen, um automatisierte Fahrsysteme im großen Stil zu entwickeln und zu testen. Einzigartig sind die vielfältigen Möglichkeiten: Neben Tests auf privaten Strecken sind auch Probefahrten auf Autobahnen und im Grazer Stadtgebiet möglich. Zusätzlich stehen moderne Simulatoren und Messstände zur Verfügung.

Vor nicht einmal einem halben Jahr hatten wir die erste Testfahrt auf einer österreichischen Straße. Jetzt schaffen wir Europas vielfältigstes Testgebiet für automatisierte Fahrzeuge. Im ALP.Lab können österreichische Automobil- und Zulieferbetriebe ihr Know-how um selbstfahrende Autos weiter ausbauen. So stärken wir den Standort und sichern Arbeitsplätze“, sagt Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ).

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Alles an einem Ort

ALP.Lab bündelt die gesamte Testkette an einem Ort – von den ersten Simulationen bis zu Tests auf Prüfständen und schließlich Fahrten auf privaten und öffentlichen Teststrecken. Getestet wird etwa auf der ASFINAG-Teststrecke auf der A 2 zwischen Graz-West und Laßnitzhöhe und zwischen St. Michael und der Grenze zu Slowenien. Ab dem kommenden Jahr werden auch im Grazer Stadtverkehr Probefahrten stattfinden. In der Forschungseinrichtung Zentrum am Berg kann das Verhalten in einem Autobahntunnel erprobt werden. Auch der Red Bull Ring wird in den Wintermonaten für Tests zur Verfügung stehen.

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Zwei zentrale Forschungsprojekte

An dem Projekt beteiligt sind AVL List, Magna Steyr, das Kompetenzzentrum Virtual Vehicle, Joanneum Research und die TU Graz. Das Infrastrukturministerium unterstützt die Testumgebung ALP.Lab und zwei Forschungsprojekte mit insgesamt 5,6 Millionen Euro. In "Dynamic Ground Truth" entwickeln AVL List, Joanneum Research, Virtual Vehicle, die TU Graz, TTTech und Vexcel ein präzises Mess- und Referenzsystem zur zuverlässigen Erkennung der Umwelt. Das Projekt erhält vom Infrastrukturministerium 1 Million Euro. Im Projekt LiDcAR arbeiten Infineon, Virtual Vehicle und die TU Wien an Sensoren zur Abstands- und Geschwindigkeitsmessung bei selbstfahrenden Autos. Das Projekt wird vom Infrastrukturministerium mit 600.000 Euro unterstützt.

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© Pierre Salomé
Selbstfahrender Kleinbus für Testprojekt in Wien. (c) Pierre Salomé

Selbstfahrender Bus in Wien

Weiters erhielt das Projekt "auto.Bus – Seestadt" 750.000 Euro Förderung für Tests von selbstfahrenden Bussen im Wiener Stadtentwicklungsgebiet Aspern, um den Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel zu verbessern. Damit bekommt Wien also eine fahrerlose Autobuslinie. In Salzburg wurde im Vorjahr bereits ein selbstfahrender Mini-Bus getestet. Im Projekt auto.Bus Seestadt arbeiten die Wiener Linien, das AIT Austrian Institute of Technology, das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit), der TÜV Austria sowie Siemens Österreich und der französische Bushersteller NAVYA gemeinsam an der technologischen und rechtlichen Weiterentwicklung von autonomen Kleinbussen. Ziel sei die Erhöhung der Effizienz und der Betriebssicherheit autonomer Fahrzeuge, um letztlich eine Buslinie in der Seestadt unter realen Bedingungen betreiben zu können – mit Haltestellen, Fahrplan und echten Fahrgästen.

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