Rüge für die deutschen Autobauer

E-Strategie nicht nachhaltig

Rüge für die deutschen Autobauer

Laut Umwelt-Fonds seien die Hersteller trotz Elektrostrategie nicht nachhaltig genug. 

BMW  wirbt damit, das "grünste Elektroauto der Welt" ( i4iX  und  iX3 ) zu bauen,  VW  kündigt  Milliardeninvestitionen in Batteriefabriken  an,  Mercedes  will mit seinen neuen E-Modellen  EQAEQSEQT  und  EQB  dem US-Elektroautopionier  Tesla  Paroli bieten. Mit Elektromobilitäts-Offensiven haben die deutschen Hersteller im Rennen um die Gunst der Investoren in den vergangenen Monaten Boden gut gemacht. Doch für die Aufnahme in die Nachhaltigkeits-("ESG"-)Fonds, in die immer mehr Geld fließt, reicht es bei den meisten nicht.

Denn hier zählt nicht die Ankündigung, sondern die Umsetzung der Strategie. Und das Label "ESG - Environmental, Social, Governance" verweist schon darauf hin, dass weitere Kriterien eine Rolle spielen: gute Unternehmensführung, Umweltschutz auch in der Produktion, der Umgang mit den Beschäftigten und das soziale Engagement.

BMW ist gelistet, Tesla nicht

Als einer der wenigen Autohersteller weltweit wird von den Deutschen nur BMW in den ESG-Fonds gelistet. Der Elektroautopionier Tesla scheint nicht auf. "Wenn man sich die Emissionen der Autos ansieht, hat Tesla zu den etablierten Autoherstellern einen Vorteil", sagt Driss Lembachar, Experte bei der Nachhaltigkeits-Ratingagentur Sustainalytics. In den anderen Bereichen sehe es anders aus. Für eine gute ESG-Bewertung reiche es nicht, weil es bei der Produktqualität, dem Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und beim Thema gute Unternehmensführung hapere.

Deutsche Autobauer schnitten besser bei der Produktqualität und -sicherheit ab, hinkten bei der Elektrifizierung aber hinterher. "Der Streit im Zusammenhang mit wettbewerbswidrigem Verhalten und Geschäftsethik lastet zudem auf den Noten", sagt Lembachar und meint damit zum Beispiel den Dieselskandal, der insbesondere Volkswagen immer noch nachhängt.

Bei den ESG-Kriterien wird eben sehr genau hingeschaut. So haben die Experten der Fondsgesellschaft Union Investment etwa die Dekarbonisierungsstrategie bei Elektroautos unter die Lupe genommen und nur bei BMW und dem VW-Konzern konkrete Aussagen dazu gefunden. Generell sei erkennbar, dass BMW und VW bei den Zulieferern ihrer Elektroautos zunehmend striktere Maßstäbe anlegten, wenn es um die Nutzung erneuerbarer Energien gehe, heißt es in dem Bericht.

Mercedes ambitioniert, jedoch hinter BMW und VW

Auch Daimler schneide besser ab als die internationale Konkurrenz, habe aber einen Rückstand gegenüber den anderen beiden deutschen Konkurrenten. "Die Strategie von Mercedes-Benz zur Emissionsreduktion innerhalb der Zulieferkette ist nicht so ambitioniert und klar wie die von BMW oder VW", erläutert ESG-Expertin Katja Filzek. Zuletzt hatte der Hersteller jedoch angekündigt, ab 2025 erste Modelle,  die auf grünen Stahl setzen , in den Handel zu bringen.

Arndt Ellinghorst, Analyst bei der Investmentbank Bernstein, verweist bei VW auf die immer noch vom Dieselskandal überschattete Unternehmensführung, die ESG-Anleger davon abhalte, die Papiere zu kaufen. In einer Nachhaltigkeitsanalyse von Sustainalytics kommt VW auf eine schlechtere Note als viele andere Autobauer und liegt auch hinter Tesla. Der millionenfache Betrug von Volkswagen bei den Abgaswerten von Dieselmotoren, der 2015 herauskam, hatte die ESG-Werte abstürzen lassen. Davon hat sich das Unternehmen immer noch nicht erholt.

Tesla wiederum hat nach der Einschätzung der Sustainalytics-Experten gleich mit einer Vielzahl von Problemen zu kämpfen - vor allem Mängel im Umgang mit den Mitarbeitern und Sicherheitsrisiken bei den Autos. Das Unternehmen habe kein System zur Qualitätssicherung vorgelegt, heißt es in der Analyse. Mehrere folgenschwere Unfälle mit den Autos hatten international für Aufsehen gesorgt. Auch Twitter-Äußerungen von Chef Elon Musk und ihr Einfluss auf den Aktienkurs werden als Risiko genannt.

Hersteller profitieren

Für die Firmen lohnt es sich, verstärkt auf ESG-Kriterien zu achten. Einerseits, weil schärfere Emissionsvorgaben der Europäischen Union oder das deutsche Lieferkettengesetz den rechtlichen Rahmen setzen. Andererseits geht es um viel Geld: Der Anteil der nachhaltigen Fonds an allen Anlagen steigt, vor allem Privatanleger achten vermehrt darauf, wohin ihr Geld fließt. Ende März kamen diese Anlagen nach Angaben des Branchenverbands BVI auf einen Anteil von acht Prozent am gesamten deutschen Markt, Ende 2020 waren es noch fünf Prozent gewesen. Das Volumen stieg um 107 auf 254 Milliarden Euro. "Investoren schauen viel stärker in der Breite auf das Thema ESG", sagt Janne Werning, Autoexperte bei der Fondsgesellschaft Union Investment. Und sie fragten beim Management nach, wie die Firmen bei diesen Themen vorankämen.

Der Wandel von Verbrennungsmotoren zu elektrischen, hybriden oder Brennstoffzell-Lösungen sei eindeutig die Chance für saubere Technologie im Sektor, sagt Martin Moeller, Experte bei der Vermögensverwaltung UBP. Die Konzerne zeigten hier deutliche Unterschiede bei den Fortschritten. "Grundsätzlich profitieren die deutschen Autohersteller aber von ihren guten Beziehungen zu den Arbeitnehmern und der Sicherheit ihrer Produkte, während die US-Firmen hier Schwächen zeigen."