Umstieg auf E-Autos könnte in der EU 274.000 Jobs kosten

Vor allem Zulieferer betroffen

Umstieg auf E-Autos könnte in der EU 274.000 Jobs kosten

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Laut aktuellen Studien würden die meisten Arbeitsplätze bei Autozulieferern wegfallen. 

Da sich die meisten Regierungen der EU-Länder dem  batterieelektrischen Autos  verschrieben haben, müssen die Hersteller beim Schwenk auf die E-Mobilität mitmachen, wenn sie in Zukunft noch Autos verkaufen wollen. Aktuelle Studien zeigen nun, dass dadurch zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Die meisten Stellen dürften dabei bei den Zulieferern wegfallen. Für Österreich wäre das ziemlich fatal, da wir zahlreiche (erfolgreiche) Automobilzulieferer im Land haben.

Autokonzerne booten Zulieferer aus

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Alix Partners werden Autokonzerne mehr elektrische Wertschöpfung von Zulieferern übernehmen. Die Investitionspläne der Autokonzerne ließen erwarten, dass die Systemintegration und ein erheblicher Anteil an Entwicklungsleistung von Zulieferern auf die Autokonzerne übergehe, teilte Alix Partners mit.

Führende Autokonzerne "haben bereits die Neuverteilung der elektrischen Wertschöpfung für die kommende Generation von E-Fahrzeugen definiert", schrieben die Branchenexperten. Heute würden noch 90 Prozent der Systeme Batterie und E-Motor zugekauft. Das werde sich vollständig ändern: "Rund 80 Prozent der kommenden E-Fahrzeuggenerationen werden diese Systeme nahezu komplett inhouse fertigen." Die Autobauer wollten die Wertschöpfung von der Zellfertigung über die Schaltung in Module bis hin zur elektrischen und thermischen Integration des Batteriepacks beherrschen. Die Montage des Elektromotors werde spätestens mit der übernächsten E-Generation vollständig bei ihnen liegen.

Wegfall von 274.000 Jobs

Eine weitere Studie, die von PwC im Auftrag des Verbands der europäischen Automobilzulieferer CLEPA durchgeführt wurde, besagt, dass bei einem vollen Umstieg auf die E-Mobilität rund 500.000 Arbeitsplätze in der Produktion von Antriebssträngen wegfallen würden. Im Gegensatz dazu würden bei der Produktion von Stromern 226.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Insgesamt rechnet CLEPA vor, dass es, falls ab 2035 nur noch E-Autos gebaut werden, in der europäischen Autoindustrie rund 274.000 Jobs weniger geben werde. Laut dem Verband macht die Autoindustrie in 13 EU-Mitgliedsländern fünf Prozent der gesamten Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe aus. 60 Prozent davon würden bei Automobilzulieferern arbeiten.

Hier spielen Zulieferer künftig eine Rolle

Zurück zur Studie von Alix Partners. Laut dieser würden als Komponenten zugekauft weiterhin Rotor- und Statorpakete und Rotorwellen - ebenso die Leistungselektronik aus Wechselrichter, Spannungswandler und Thermo-Management. "Hier besteht für Zulieferer die größte Wahrscheinlichkeit, Systemlieferant zu bleiben." Aber Systemintegration und damit verbunden auch ein erheblicher Anteil an Entwicklungsleistung werde von Zulieferern auf die Autobauer übergehen. Der relevante Markt für Zulieferer dürfte sich 2025 auf 36 bis 52 Milliarden Euro beschränken. "Zum Vergleich: Der gesamte Verbrennermotormarkt beträgt heute etwa 200 Milliarden Euro inklusive OEM-Eigenfertigung."

Gleichzeitig wachse die Konkurrenz: Hersteller von Wechselrichtern, Ladesystemen oder auch Rotor- und Statorpaketen kämen als neue Zulieferer dazu. "Erfolgreich sind diejenigen Lieferanten, die das Spezialwissen in der Komponente haben und weniger die, die eigene Systemwelten verkaufen möchten", sagten die Branchenexperten voraus.