VW-Chef warnt vor Tesla und "Golf aus China"

Dringlicher Appell

VW-Chef warnt vor Tesla und "Golf aus China"

Herbert Diess mit dringlichem Appell an etablierte Autoindustrie.

Der  enorme Erfolg des Model 3 in Europa  und der bevorstehende  Produktionsstart im deutschen Tesla-Werk , sorgt bei den etablierten Autobauern offenbar für Unbehagen. VW-Chef Herbert Diess (Bild) hatte sich bereits vor einigen Tagen  äußerst besorgt gezeigt . Und nun legte der Boss des größten europäischen Autobauers noch einmal nach. Neben der Bekräftigung seiner Strategie gab es Warnungen, die man noch aus keinem Mund eines VW-Chefs hörte.

Diess will den Stammsitz Wolfsburg zu einem zentralen Motor für den Konzernumbau machen. Vor mehreren Zehntausend Zuhörern bekräftigte er in einer Betriebsversammlung die Ziele zum elektrisch und autonom fahrenden Modell  Trinity , das voraussichtlich 2026 starten soll. "Gerade Wolfsburg ist wichtig für den Konzern, muss die Speerspitze sein", betonte der VW-Boss seinem Redetext zufolge.

Warnung vor Tesla und "Golf aus China" 

Diess verwies aber auch darauf, dass die Konkurrenz genau im Blick behalten werden müsse: "Der nächste Golf darf kein Tesla sein! Der nächste Golf darf nicht aus China kommen!" Damit wollte er wohl klarmachen, dass die etablierten Autobauer aufpassen müssen, nicht von den deutlich jüngeren Konkurrenten überholt zu werden. Neben dem US-Elektropionier und dessen Gegner  Lucid  drängen auch immer mehr chinesische Autobauer mit Start-up-Charakter in Richtung Europa. Diese bieten ihre Modelle zu Kampfpreisen an.  Nio glänz wiederum mit außergewöhnlichen Reichweiten . Zudem steigen große IT-Firmen wie der iPhone-Fertiger Foxconn ( mit der Marke Foxtron ) oder der Smartphone-Sezialist Xiaomi ins Geschäft mit Elektroautos ein.

Langfristiger Stellenabbau  

Auf Sorgen vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau ging Diess ein - griff die drastische Zahl von bis zu 30.000, die er zur Irritation vieler Beschäftigter zuletzt ins Spiel gebracht hatte, aber nicht auf. "Ich möchte, dass Ihre Kinder und Enkelkinder auch 2030 noch einen sicheren Job hier bei uns in Wolfsburg haben können", sagte er. Aber: "Die heute bestehenden Jobs werden innerhalb der nächsten 10 bis 15 Jahren sicher weniger - vor allem in der Verwaltung auf Konzernebene, aber auch in der Produktion und in der Entwicklung." Gleichzeitig komme neue und andere Arbeit hinzu.

Betriebsratschefin und Aufsichtsrätin Daniela Cavallo hatte Diess' internes Vorgehen und auch seinen öffentlichen Umgang mit denkbaren neuen Sparzielen scharf kritisiert. Der Vorstandschef räumte ein: "Wir müssen miteinander reden." Er stellte zu den Zukunftschancen von Volkswagen speziell in Niedersachsen jedoch auch klar: "Nicht Herbert Diess oder Daniela Cavallo entscheiden darüber. Die Kunden entscheiden."

Diess hatte seine Teilnahme an der Informationsveranstaltung zunächst abgesagt, nach Intervention Cavallos dann aber doch eine stattdessen geplante Reise zu US-Investoren verschoben. "Nur gemeinsam machen wir Volkswagen zukunftssicher", meinte er. Dafür müsse man den Konzern "rechtzeitig zum Umsteuern bewegen". Mit Blick auf den Konkurrenten Tesla, der kurz vor dem Start seines neues Werks in Grünheide bei Berlin steht, heiße das: "Wir dürfen uns unseren Standort, unsere Konzernzentrale, nicht von Tesla kaputtmachen lassen!"

Stammsitz Wolfsburg als Aushängeschild

Aus Sicht von Diess hat die VW-Zentrale gute Chancen, "wieder zum Aushängeschild für Auto-Produktion" zu werden. Doch dazu müsse das Projekt Trinity unbedingt ein Erfolg werden. Für E-Autos wird insgesamt deutlich weniger klassische Arbeitskraft gebraucht, dafür sind viele neue Kompetenzen nötig. Diess: "Wir planen schnellere Produktionszeiten und effizientere Formen der Zusammenarbeit."