VW macht Autos zum rollenden App-Store

Digitaler "Einkaufswagen"

VW macht Autos zum rollenden App-Store

Eine App für alle Services - auch Dienste zum Bezahlen beim Parken, Tanken, Aufladen oder Streaming.

Das Auto als rollender App-Store: Kunden des  VW -Konzerns sollen ihren Wagen in Zukunft mit einem "digitalen Einkaufszentrum" vernetzen und wichtige Funktionen wie Updates der Fahrzeug-Software von überall aus erledigen können. Dazu will der Wolfsburger Konzern das Stuttgarter Unternehmen Diconium jetzt vollständig unter sein Dach holen. Der Schritt hat auch für den internen Wandel des Autoherstellers eine hohe Bedeutung: Die VW-Gruppe sucht immer mehr IT-Experten und will Anwendungen zunehmend selbst entwickeln. Beim neuen  Golf 8  (hier geht es zu  unserem Testbericht ) können bereits Funktionen wie das Navigationssystem oder das Matrix-LED-Licht nach dem Autokauf gegen Aufpreis freigeschaltet werden.

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Eine App für alles

"Es gibt künftig nur noch eine Kern-App, mit der der Kunde auf alle Services zugreifen kann", erklärt Kernmarken-Vertriebschef Jürgen Stackmann. Über die Nutzer-ID würden Auto, Händler und Hersteller zusammengebracht. Geplant sind auch Dienste zum Bezahlen beim Parken, Tanken und Aufladen oder für Multimedia-Streaming. In den Aufbau der nötigen Online-Infrastruktur und die Integration von Diconium steckt VW nach dpa-Informationen eine dreistellige Millionensumme. Dazu wird der bisher 49-prozentige Anteil an der Firma aus Baden-Württemberg auf 100 Prozent aufgestockt. Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Dienste wie das Elektro-Carsharing WeShare  oder der Volkswagen-Shuttle-Service  Moia  bleiben zunächst zwar eigenständige Angebote. "Aber das "Einkaufszentrum" ist ein modulares System, wir schalten es Schritt für Schritt frei", sagte Stackmann - erst einmal in Europa.

© Volkswagen AG
Vertriebschef Jürgen Stackmann

Marke Diconium soll bestehen bleiben

Diconium hat derzeit knapp 1.100 Beschäftigte. Laut Mitgründer Andreas Schwend bleibt die eigene Marke bestehen: "Die Aktivitäten werden innerhalb der Car-Software-Organisation von VW weiterbetrieben." Auch mit anderen Kunden liefen Projekte, der angestrebte Umsatzanteil aus den Aktivitäten bei Volkswagen liege bei 50 bis 60 Prozent.

Der weltgrößte Autobauer hatte zu Jahresbeginn eine Software-Einheit gestartet, die die Kompetenzen in der Fahrzeug-IT bündeln soll. Bis 2025 will VW über externe Übernahmen, Neueinstellungen und Fachleute aus den eigenen Marken mehr als 10.000 Experten in dem Bereich haben. Digitalvorstand Christian Senger sieht Diconium dabei als "nächsten konsequenten Schritt. Der Schwerpunkt liegt hier auf Schnittstellen zwischen Software und Handel." Auch das Stuttgarter Gründer-Team bleibe im Unternehmen, so solle die Firmenkultur erhalten werden.

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Ohne persönlichen Kontakt geht es nicht

Klar sei, dass neben digitaler Kommunikation persönliche Kontakte in den Autohäusern wichtig sind. "Wir stellen fest, dass Automobilunternehmen ohne festen Vertrieb im Volumengeschäft in Schwierigkeiten kommen können", sagte Senger. Doch parallel seien Digitalplattformen für das Auto als "eine der letzten unerschlossenen Datendomänen" nötig. Beim Ausbau seiner Cloud-Dienste arbeitet VW auch  mit Microsoft zusammen .

Steffen Hahn, Geschäftsführer einer großen Händlergruppe für die VW-Konzernmarken, erklärte: "Wir begrüßen es grundsätzlich, dass der Hersteller in Richtung Digitalisierung denkt. Denn viele Prozesse, die online darstellbar sind, bieten Vorteile für uns und unsere Kunden." Es gehe um eine Kombination online/offline. Ersetzen lasse sich der klassische Handel aber nicht - vor allem in der Beratung.

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